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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Gezähmtes Widerspenst

MAINZ (19. Januar 2011). Ach dieses ewige Thema im Kabarett: Mann und Frau und hin und her und sie können einfach nicht mit- und auch nicht ohne einander. Aktuellen Adepten mag man zurufen: „Denkt Euch doch mal was Neues aus!“

Es sei denn, der Geschlechterkampf wird durch edles Spiel geadelt. Und da sich selbst schon kein Geringerer als William Shakespeare mit diesem Dauerbrenner beschäftigt hat, ist er natürlich auch Gegenstand einer weiteren denkwürdigen Inszenierung der Ein-Mann-Combo aus Bernd Lafrenz, die sich dem Œuvre des Mannes aus Stratford-upon-Avon widmet.

„Der Widerspenstigen Zähmung“ steht diesmal auf dem Spielplan des Unterhauses und Lafrenz zieht wieder alle Register, ohne im eigentlichen Sinn überhaupt eine Orgel zur Hand zu haben. Als Requisiten dienen ein paar leere Weinflaschen und Kisten, als Kostüm ein Hut, ein Schleier, ein Kleid – alles andere wird mit Mimik, Gestik und Intonation in Szene gesetzt. Trotzdem und gerade deshalb gelingt die Aufführung wie am Schnürchen, denn dadurch, dass nur ein Mime das komplette Personal dieser Komödie gibt, erfährt das Dargebotene eine Intimität, die die große Bühne nun mal kaum bieten kann.

Intim geht es auch bei Shakespeare zu: Ort der Handlung ist Padua, wo Student Lucentio die schöne Bianca freien will. Der potentielle Brautvater Baptista Minola aber möchte erst die ältere Schwester Katharina unter die Haube bringen. Die jedoch hat Haare auf den Zähnen und ihren eigenen Willen. Allein Petruchio will es wagen und zähmt die Widerspenstige mit einer wortgewandten Charmeoffensive. Das Happy-End Lucentios wurde gestrichen, dafür darf der Trunkenbold Sly, dem im Original die Handlung als Theater im Theater vorgespielt wird, mit der hinzugefügten Wirtsfrau Jenny anbandeln, nachdem er dem Publikum die Komödie erzählt hat.

Shakespeare-Kenner Bernd Lafrenz wechselt auch diesmal blitzschnell die Charaktere und schlüpft einem Chamäleon gleich in die verschiedenen Rollen. Zwar rückt er dem Stück mit Kürzungen bearbeitend zu Leibe, aber er verstümmelt es nicht, sondern strafft es zu einem spannenden Strang, an dem er sich als fast ein Dutzend Mimen entlang hangeln kann.

Freizügige Improvisation flankiert das aufgelöste Versmaß des Angelsachsen mit ausschmückenden Szenen wie dem Stierkampf, in dem Petruchio die Widerspenstige zähmt – und das ist doch allemal unterhaltsamer als die von Shakespeare gedichtete Erziehung durch den Gatten.

Dass Lafrenz Schauspieler mit Leib und Seele ist, zeigt nicht zuletzt sein liebevoller Umgang mit dem verehrten Poeten, dem er am Schluss den meisten Applaus überlässt. Er selber verdient ihn aber auch, denn die lockere Art, wie er der hehren Kunst phantasievoll und damit gewinnbringend zu Leibe rückt, verleiht dieser Commedia dell’arte noch mehr Witz, Esprit und Schwung.

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