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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Blaskapelle trifft Techno

ALZEY (28. August 2015). Es gehört zu den Eigenheiten des bayerischen Zungenschlags, dass sich das Wort Kuh nicht wie im Hochdeutschen deklinieren lässt, sondern sozusagen zu den unregelmäßigen Substantiven gehört: Eine Kuh steht hier nicht mehreren Kühen gegenüber, sondern eine „Kuah“ mehreren „Kiah“. Laut den Mitgliedern von „LaBrassBanda“ bildeten ebenjene wiederkäuenden Paarhufer aus der Familie der Hornträger das erste Auditorium des Programms „Kiah Royal“: Die eigenwillige Blaskapelle aus dem Chiemgau spielte in einer Stallung!

„LaBrassBanda“ wollte es mal etwas ruhiger angehen lassen und die Idee war: Wenn es den nachgewiesen musiksinnigen Laktoselieferanten gefällt, kommt es auch beim Homo sapiens an. Dies war keine Milchmädchenrechnung, auch wenn der Auftritt im Alzeyer Schlosshof alles andere als leise ausfiel. Frontmann Stefan Dettl schickte denn auch gleich mal ein entschuldigendes „Dankeschön“ an die Anwohner. Statt vierbeiniger Euterträgerinnen genoss in Alzey ein begeistertes Publikum den rasanten Auftritt der Gruppe, nachdem es von der ebenfalls in Bayern beheimateten Karin-Rabhansl-Band zünftig auf Betriebstemperatur gebracht worden war. Und die sollte den Siedepunkt so schnell nicht mehr verlassen.

Im Internet wirbt ein Video der Band für Auftritte im Bierzelt, doch eine gerstensaftselige Stimmung kommt bei „LaBrassBanda“ auch ohne Planenbespannung auf: Die Urtümlichkeit der durch Gitarre-, Bass- und Percussion verstärkten Blaskapelle gepaart mit frechen Texten ist ein Erfolgsrezept, das jeden sofort mitreißt. Da spielt die dialektbedingte Unverständlichkeit der gesungenen Zeilen überhaupt keine Rolle: „Auch wenn Ihr überhaupts nix versteht – in Budapest war auch a Superstimmung.“

Im Vordergrund steht die „Musik, die uns unheimlich viel Spaß macht“, versichert Dettl, der den Abend über so agil über die Bühne hüpft, als hätte das Schlagzeug spielende Tier aus der Muppet-Show Ecstasy eingeworfen. Und gute Stimmung steckt an: In der Coverversion von „Around the world“ der Band ATC zieht „LaBrassBanda“ ein grandioses Crescendo auf, um dann vor zuckenden Lichtblitzen in einem furiosen Bayern-Techno gleichsam zu explodieren. Das Publikum ist außer Rand und Band, singt aus voller Kehle mit und streckt die Arme in die Höhe, nachdem Dettl den Song jäh abgebrochen hat und animiert, man solle „nicht so kirchenchorartig“ mitträllern.

Wie bereits die Vorband mixen auch die neun Musiker von „LaBrassBanda“ sämtliche Stile und sind damit auf der Überholspur – nicht nur mit dem vom Publikum früh eingeforderten Hit „Autobahn“: Die Band lieferte den Titelsong der bayerischen Krimikomödie „Winterkartoffelknödel“ und rockte 2013 in kleinerer Besetzung den Vorentscheid des European Song Contest, auch wenn sie hinter Sängerin Natalie Horler und ihrem Dance-Trio „Cascada“ nur den zweiten Platz belegte. Das ist an diesem Abend kein Thema: Könnte Alzey wählen – „LaBrassBanda“ würde die Trophäe mit an den Chiemsee nehmen.

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