Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Kleinkunst

Oase für den Geist

MAINZ – Fast scheint es unmöglich, das Gesehene in Worte zu fassen: Wenn das Chaostheater Oropax auftaucht, gerät die Welt aus den Fugen. Die Logik verabschiedet sich eilends, der Intellekt geht auf Stand-by und nur der Schwerkraft ist es zu verdanken, dass man nicht kichernd durch diesen Wirbelsturm des Schwachsinns trudelt.

Wer Oropax besucht, weiß, was ihn erwartet. Nämlich zwei Stunden humoristische Anarchie: Die beiden Brüder Volker und Thomas Martins knüpfen dort an, wo der klassische Clown die Torte geworfen und somit sein Pulver verschossen hat. Doch der Titel des aktuellen Programms „Im Rahmen des Unmöglichen“ wird alsbald Lügen gestraft, denn Oropax ist das genaue Gegenteil – von Rahmen und von Unmöglichkeit.

Da es wie immer auch unappetitlich wird, dürfen sich die ersten Reihen vorsorglich mit Plastikfolie bedecken: Das Kind im Manne und seine anale Phase bis heute bewahrt panschen und manschen die beiden Brüder Currywurst – „ungekühlt und nicht erhitzt“ –, Bier und andere Ingredienzien zusammen und treiben den Ekelfaktor in die Höhe, wenn sie das Gebräu aus dem Nasssauger verkosten.

„Wir müssen wieder an Niveau gewinnen“, lautet die Mahnung. Denn sie können auch anders: So wie mit Lebensmitteln, gehen sie auch mit der Sprache um. Doch statt eines ungenießbaren Gebräus gibt es sprühenden Wortwitz, der jeden bedient: „Gerade noch saudoof und im nächsten Moment hochintellektuell“, lobt Volker den großen Bruder. So manche Pointe geht allerdings verloren, weil beide sich noch vor Satz und Sieg über den eigenen Witz kranklachen. Doch auch das steckt an.

Wie ein Leuchtturm aus dem Meer des Klamauks erhebt sich die Nummer, wo ein geschasster Finanzjongleur – „Man nimmt uns nicht für voll und dann wird man leergekauft“ – eine (Park-) Bank zertrümmert. Hier trifft Oropax eindeutig den Nerv der Zeit. Also höchste Zeit für weiteren Humbug: Marionette Kroki mit einem Kopf aus Bauschaum droht, das Publikum mit Sprühsahne zu verzieren, Thomas stellt mit dem entsprechenden Werkzeug bewehrt bohrende Fragen, der Mönch (Running Gag einer jeden Oropax-Show) wird vom Publikum frenetisch begrüßt und der Kaffee mit Flatulenzen aufgeschäumt.

Kein Zweifel: Oropax erhebt den Nonsens zur Kunstform, veranstaltet seine Happenings als eine einzige, sorglose Performance der Hirnlosigkeit und pflegt in einer Zeit, in der man sich über so vieles Gedanken machen muss, eine wahre Oase für den Geist. Klimmt komisch? Ist es auch. Man muss allerdings dabei gewesen sein…

zurück