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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Nonstop Nonsens

MAINZ (24. November 2016). „Der Zirkus kommt in die Stadt!“ Auch jene vielleicht atemlos mitgeteilte Nachricht, die früher vor allem bei Kindern für helle Aufregung sorgte, unterliegt dem Wandel: Heute sorgen Spaßmacher und dressierte Pferde kaum mehr für Aufregung. Und doch hat sich das zirzensische Treiben in unsere Tage hinübergerettet, denn Clowns gibt es natürlich auch heute noch.

Die beiden Brüder Thomas und Volker Martins aus Freiburg bilden das „Chaostheater Oropax“, das sich 1983 zur Zeit der Sponti-Bewegung gründete. Eine politische Aussage liegt den beiden natürlich eher fern, doch wirken sie durchaus wie eine „außerparlamentarische Opposition“ zum bürgerlichen Kabarett und seiner Schwester Comedy. Rote Nasen haben sie nicht, aber unheimlich viel Quatsch im Kopf, den sie in einer grandiosen Performance auf die Bühne zaubern.

Die aktuelle Show heißt „Faden & Beigeschmack“, wofür die Brüder ihre Gags voller Wolllust zu einem bunten Flickenteppich verwoben haben. Und tatsächlich ist dieser Nonsens der Stoff, aus dem jede Zirkuszeltbahn gemacht sein sollte: unschuldiger Witz, der scheinbar absichtslos daherkommt, die Zuschauer jedoch für den Moment erheitert aus ihrem Alltag löst, um sie mit gekonntem Schabernack gleichsam zu umgarnen. Doch halt: Wortwitze ums Spinnen und verlorene Fäden sind ja eher die Masche des „Chaostheaters Oropax“.

Dass es für gelungenen Unsinn besonders kluge Köpfe braucht, bewiesen schon die Mimen von „Monty Python“, die sich für keinen Ulk zu schade waren. Im gleichen Fahrwasser schwimmen die Brüder Martins, wenn sie sexuelle Aufklärung spielen oder als Hund und Baum auftreten. Natürlich wird auch die erste Reihe („Wagemutige und Ahnungslose.“) wieder Zielscheibe des Spotts, wobei Manager Peter und der handwerklich unbegabte Lukas immer wieder ins Programm eingebaut werden.

Klamauk also, wo man hinsieht und -hört. Flink hauen Thomas und Volker Martins die Silbenspiele wie einen Squash-Ball ins Publikum und intensivieren ihre Nummern durch ständigen Kostümwechsel, wobei manches Outfit den Wunsch nach sofortiger Erblindung laut werden lässt. An Requisiten haben die beiden ebenfalls nicht gespart und so erlebt man den Russen Oli Garch, eine überdimensionale Unterhose, einen Cowboy samt Galgen und Strickmuster und natürlich den obligatorischen Mönch sowie Herrn Pinski – ohne jenes Stammpersonal wäre ein „Oropax“-Abend nicht komplett.

Auffällig ist in diesem Programm der sparsame Umgang mit Lebensmitteln: Nur drei Eier, ein Teebeutel und eine Flasche Bier kommen zum Einsatz, ansonsten haben sich die Martins-Brüder offenbar eine Diät verpasst, was stilistisch sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung ist. Die fehlenden Kalorien machen sie jedoch durch die Show wett, deren gut einstudierte und oft genug auch tatsächliche Spontanität für zusätzliches Tempo sorgt.

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