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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Ironisch intoniert

MAINZ (21. September 2010). Tut man Christiane Weber jetzt von vornherein Unrecht, wenn man ihr erstes Solo-Programm mit den gemeinsamen Auftritten mit Timm Beckmann vergleicht? Immerhin errang sie mit dem pianistischen Partner 2007 den Deutschen Kleinkunstpreis! Vergleiche bieten sich in der Tat an: Die personelle Besetzung zumindest ist identisch – Weber singt und wird am Klavier, diesmal von Burkhard Niggemeier, begleitet.

Was jedoch fehlt, sind die feinen Sottisen, die als Pendant zum gesungenen Text galant aus der Hand geschüttelten Neckereien zwischen der Sängerin und ihrem Begleiter. Das machte früher zwar nicht den Großteil des Programms aus, lockerte es jedoch erfrischend auf und erlaubte es dem Publikum, immer mal wieder innerlich Partei für den einen oder die andere zu ergreifen, schließlich sorgt sich ja auch das Kabarett selbst um die Minderheiten.

Im Programm „Honolulu-Prinzip“ steht die Solistin im Vordergrund, den sie mit bemerkenswert direkter Selbstironie möbliert: Weber erzählt vom Kauf des Bühnenkleids, bei dem die Verkäuferin sie fragt, ob sie dort denn auch gesehen werde, erzählt mit satirischem Blick vom Babyboom im Bekanntenkreis und trifft auch mal gezielt dort, wo man sich mit wohligem Ekel windet: „Zum Beispiel Durchfall-Erkrankungen – da ist der Mensch doch bei sich.“

Weitaus appetitlicher ist dieses „Honolulu-Prinzip“, das sich wie ein – wenn auch recht dünner – blassroter Faden durch den Abend zieht: Ratgeber-Lyrik der Sorte „Sorge Dich nicht, lebe“ verpackt Weber in gekonnte Wortspiele: „Lass‘ die Dinge doch einfach mal zu – die Schublade, den Laptop oder den Terminkalender.“ Und: Liebe Dich selbst – und Deinen Bikini auch.“ Oder viel brillanter: „In A-Klassen fahren B-Promis mit C-Körbchen – was ihnen fehlt ist Demut.“

Das fehlende Echo vom Klavier macht sich auch in der Moderation bemerkbar, aber zum Glück ist Christiane Weber in ihrem Element, wenn sie singt: Mit einer Stimme, die von einem Moment auf den anderen vom Lasziven ins Komische kippt und die gefühlsbetonten Liedern von Trennungsschmerz und recycelten Gefühlen die gleiche Glaubwürdigkeit gibt, wie sie Humoriges besingen kann, beeindruckt die Sängerin nach wie vor.

Die Themenwahl scheint in ihrem ersten Solo noch etwas beliebig, wird jedoch, jedes Lied für sich genommen, perfekt inszeniert: Ökotussi Inkens Ende in der Schrotmühle ebenso wie die kakophonisch beschallte Klaustrophobie im babylonischen Stimmengewirr eines handyverseuchten ICE. Weiter so also – und hoffentlich in Zukunft vor größerem Publikum!

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