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Deutscher Kleinkunstpreis 2013 verliehen

MAINZ (17. Februar 2013). Auch in seinem 41. Jahr hat der Deutsche Kleinkunstpreis als älteste Auszeichnung seiner Art nichts an Attraktivität verloren und zeigt, dass das Segment Kabarett lebendig ist wie eh und je.

Drei Sparten – Kabarett, Kleinkunst sowie Musik, Chanson und Lied –, der Förderpreis der Stadt Mainz und der Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz, jeweils mit 5000 Euro dotiert, wurden jetzt im Unterhaus überreicht. Mit Helmut Schleich, Matthias Brodowy in Begleitung, Michael Hatzius als „Die Echse“, dem Duo „Team & Struppi“ sowie Christof Stählin hatte die Fachjury wieder würdige Preisträger auserkoren, die anlässlich der Feierstunde Ausschnitte ihrer aktuellen Programme zum Besten gaben.

Moderiert wurde der Abend von Georg Schramm, der den Deutschen Kleinkunstpreis bereits zwei Mal erhielt – 1991 und 2012 (Ehrenpreis). Durch die Preisverleihung führte er in seinen Paraderollen des Lothar Dombrowski und Sozialdemokraten August. Leider nur als Vertretung für Volker Pispers gab er der Preisverleihung mit den Überleitungen zwischen den einzelnen Preisträgern und der Würdigung der jeweiligen Darbietungen ein neues und äußerst sehenswertes Kolorit, ohne auf eigene Statements zu verzichten. Bravo!

Musikalischer Farbtupfer der Preisverleihung war der Auftritt von Matthias Brodowy: Gemeinsam mit Wolfgang Stute und Carsten Hormes beleuchtete er die Sparte Musik, Chanson und Lied in allen Schattierungen: Mit dem Hinweis, dass Angela Merkel wie Duffy Duck klingt, sägt er an der Autorität der „schlechtesten Regierung seit Bestehen der Bundesrepublik“ (Schramm), träumt von sich als Papst Heinz I. und sinniert über Fußpflege und die apokalyptische Zahl 7.

Helmut Schleich zeigte dem Publikum, wie Recht die Jury hatte, als sie ihn als „kabarettistischen Figurenspieler und komödiantischen Parodisten“ würdigte: Seine „Modulmeinungen“ holt er sich mittlerweile im Internet und wird von Franz Josef Strauß, den er mehr als überzeugend spielt, auch außerhalb der Bühne eingeholt. Ihn lässt er zum „ADHS-Politiker Seehofer“ poltern und erklärt Europa anhand des Reiseweges von rumänischem Pferdefleisch in deutsche Lasagne.

Wie fließend mittlerweile die Grenzen zwischen Kleinkunst und Comedy sind, zeigte Michael Hatzius als Strippenzieher und Stichwortgeber seiner Handpuppe, der Echse, eine, wie die Jury meinte, „altkluge Figur mit politisch inkorrekten Haltungen“. Und so moserte sie auch gleich herum: „Nicht Großkunst, nicht im Oberhaus und nicht im Ersten…“ Und doch hat die Amphibie etwas Würdiges, fast Päpstliches: „Wir sind beide verkleidet, reisen durch die Welt und unterhalten euphorische Massen mit hanebüchenen Geschichten“ – das aber klasse!

Das Duo „Team & Struppi“, der Schauspieler Jasper Diedrichsen und der Autor Moritz Neumeier, sind laut Jury-Meinung „unschlagbar im Synchronsprechen, im Panschen der Textsorten hemmungslos und konsequent beim Zuendedenken der Widersprüche“. Auf der Bühne sieht das dann so aus: Beide führen (nicht nur politische) Worthülsen unterhaltsam ad absurdum und das mit einem Tempo, dass einem Hören und Sehen vergeht – grandios und respektlos, vielversprechend und viel versprechend. Dafür gab es völlig zu Recht den Förderpreis der Stadt Mainz.

Der Ehrenpreis zeichnet Christof Stählin als einen aus, der laut Jury-Votum schlicht „seit Jahrzehnten Maßstäbe für Qualität setzt“: poetisch, sinnlich, elegant und wie ein guter Freund, der auch für seine Gefährten, die Akkorde, ein rührendes Dankeslied singt. Ergreifend!

Die Preisverleihung ist auf 3sat am 25. Februar um 20.15 Uhr zu sehen, das ZDF sendet die Aufzeichnung am 1. März um 1.00 Uhr.

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