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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Gute Stimmung dank schlechter Laune

MAINZ – Man kann noch so schlecht gelaunt sein: Matthias Egersdörfer setzt immer noch einen drauf. Der fränkische Kabarettist, der vor wenigen Wochen mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde, hat die Misanthropie zur unterhaltsamen Kunstform erhoben. Seinen Durchbruch schaffte er 2006 mit dem Programm „Falten und Kleben“, teilt sich Bühne und Effekt zuweilen aber auch erfolgreich mit dem Tubisten Heinrich Filsner.

„Mündlich“ heißt der Abend, an dem sich das Unterhaus-Publikum wortwörtlich labial laben kann: Egersdörfer deklamiert, Filsner bläst. Und bei beiden ist Druck auf den Ventilen. Während aber der Musiker seinem sperrigen Instrument überraschende Harmonien entlockt, setzt der Rezitator mit der ihm eigenen Kakophonie ein, denn Egersdörfer ist kein Freund der ruhigen Worte: Er legt sich mit dem Navigationsgerät an, langweilt sich beim elterlichen Bekanntenbesuch in Schockstarre und postuliert lautstark die fehlende Höflichkeit. Sogar den beziehungstechnischen Folgen einer phonstarken Flatulenz geht er nach.

Kein Zweifel: Egersdörfers Welt ist seine Rivalin. Und das schon seit der Geburt. Daher verwundert es nicht, wenn er sich in diesem Programm, statt in das gewohnt cholerische Poltern zu verfallen, in detailiert geschilderte phantastische Paralleluniversen flüchtet, wo ihm Feen Blondinenwitze erzählen und Hasen bis zur Explosion kopulieren. Im weichen Duktus des Fränkischen vorgetragen haben diese Geschichten einen ganz eigenen Gout. Aber man muss höllisch aufpassen: Eine Unaufmerksamkeit und es haut einen während der oft recht langen Episoden mit Karacho aus der Kurve.

Dann kommt der Kompagnon zum Zuge: Heinrich Filsner bläst „Qualm auf’m Weiher“ als blecherne Variante von Deep Purples „Smoke on the water“ oder eine Transkription von Thelonious Monks „Blue Monk“. Mit stoischer Mimik lauscht er den Lamenti seines verbalen Kombattanten, der die Musik mit dem „bösen Blick“ als Egersdörfersches Markenzeichen verfolgt. Ein bisschen schlechte Laune muss eben doch sein, wenn der Franke zu Gast ist.

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