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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Forsche Wortforscher

MAINZ (15. November 2012). „Deutsch ist dada hoch 3“ heißt das Programm von Silvana und Thomas Prosperi und beginnt rein akustisch geradezu morbide, wenn die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ ertönt. Silbensterben auch hier? Von wegen!

„Die Bühne ist leer“, stellt Thomas Prosperi fest und macht dem Unterhaus Publikum ein Angebot, das es nicht ablehnen wird: „Sollen wir sie entleeren?“ Ohne Leere wäre alles viel schwerer, sinniert der Künstler. Nicht alle Gelehrten seien Lehrer, aber: „Wenn einer geleert ist, ist er leerer.“

Es ist dieser leichtfüßige, doch immer respektvolle Umgang mit dem Sprachgut, der die Auftritte von „Faltsch Wagoni“ zum geradezu sinnlichen Erlebnis werden lässt und an den Genuss edler Kreszenz erinnert: Hier schlürfen „Der&Die Prosperi“, wie sich das Duo auch nennt, Silbe für Silbe, schnuppern an Buchstaben und Betonungen, lassen das Wort im Munde aufblühen, schwenken die Verben im Glas der Formulierung, goutieren den Abgang eines Gedanken und entdecken in der Satzstruktur akustische Aromen. Das Publikum hängt indes an den Lippen der beiden und nascht vom geistigen Nektar.

In der gedachten Szenerie des „Gehwegs“ entspinnt sich folgender Dialog: „Gehweg?“ – „Geh‘ weg!“ – „Weswegen?“ – „Ich gehe meines Weges.“ – „Von wegen!“ Die Vergleiche mit Karl Valentin und Lisl Karlstadt sind zwar schon überstrapaziert, drängen sich aber geradezu auf: Aus Kleinigkeiten und simplen Ideen stellt „Faltsch Wagoni“ mit schlafwandlerischer Sicherheit und Gespür für den Moment des Geistesblitzes seine Nummern zusammen.

„Der&Die Prosperi“ jonglieren musikalisch mit der Sprache, spielen mit den Adjektiven, beugen unbeugsame Verben. Dabei kommt die würzige Albernheit nicht zu kurz, schließlich könnten „Geschlechtsartikel“ ja auch von Beate Uhse stammen.

Überhaupt der Konjunktiv: „Ich würde, wenn ich wüsste, wie es wäre, wenn ich’s täte.“ Hier wird es aber tatsächlich Ereignis und Sprache zur Erotik – mit Objekt, Verhältniswort und Bindebegriffen: „Ich stehe auf Sie“, bekennt Thomas Prosperi: „Liege ich Ihnen?“ Silvana antwortet: „Vorerst gefallen Sie mir.“ Und doch: Am Ende wird er „stehenden Fußes sitzen gelassen“.

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