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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Viele Teile bilden noch kein Ganzes

MAINZ (18. März 2016). Was haben Rheinland und Ruhrgebiet nicht schon für Kabarettisten hervorgebracht: Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier, Hape Kerkeling, die Missfits, Ludger Stratmann, Herbert Knebel, Kai Magnus Sting, Hagen Rether, Torsten Sträter – und Fritz Eckenga.

Wie seine Kollegen trägt der vor allem auch durch seine Präsenz im Radioprogramm des WDR bekannte Dortmunder sein Herz direkt auf der Zunge, wo es sich in einer Sprache öffnet, die das Hochdeutsch selbst eigentlich nur als Dialekt toleriert.

Das aktuelle Programm Eckengas, mit dem der Künstler jetzt sein Unterhaus-Debüt gab, heißt „Frisch von der Halde“. Der Kabarettist, der auch als Kolumnist für das gedruckte wie gesendete Wort agiert, hat nach eigenen Worten nicht das Anliegen, mit seiner Kunst die Welt zu verbessern. Vor derart „gut abgehangenen Wirklichkeitsverbrauchern“, wie er das Unterhaus-Publikum nennt, will er also gar nicht in die Untiefen der politischen Realitäten hinabsteigen.

Und überhaupt, auch wenn er sich zugegebenermaßen seltsam dabei fühlt: Eckenga nimmt Angela Merkel in Schutz! In seinen Augen ist sie derzeit eine der wenigen Verantwortlichen, die jene Selbstverständlichkeit, nämlich „Menschen zu helfen, denen es dreckig geht“, in Eckengas Augen „zivilisierte Mindeststandards“, postuliert. Egal, wie das Publikum wählt – hier zollt es dem Künstler Respekt.

Ansonsten gibt es eben vieles „von der Halde“ – sprich: Themen und Geschichten, die der, der danach suchte, für so wertvoll befand, dass er sie zu einem Bühnenprogramm zusammengeschraubt hat. Allein die Passgenauigkeit liegt in den Augen des Betrachters. Eckenga spricht viel, doch was er eigentlich sagen will, bleibt vage. Zumindest ist die Intonation abgesehen von zuweilen enervierenden Amplituden-Explosionen äußerst angenehm. Es ist vor allem die Stimme, die das Gesprochene adelt.

Zwischen manchem, was da „von der Halde“ mitgenommen wurde, entdeckt man immerhin thematische Perlen: Dass Sprache eint, doch leider auch gerne missbraucht wird – allein schon durch Sätze wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Man hört Tucholskys erschreckend aktuelle Definition des Begriffs Heimat aus dem Jahr 1929, auch die entsprechende Übertragung eines Shakespeare-Sonetts hat seinen Reiz. Doch das fragile Gesamtkonzept knarzt letztendlich zu laut – und übertönt Eckenga damit.

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