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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Popacappellacomedy mit „Ganz schön feist“

MAINZ – A cappella-Gesang ist nach wie vor in, vielleicht sogar mehr denn je. Doch trennt sich oft schnell die Spreu vom Weizen. Bei „Ganz schön feist“ allerdings stimmen Saat und Frucht, wobei das Trio seine Qualitäten vor allem aus dem sparsamen und wohl dosierten Gebrauch von Äußerlichkeiten zieht.

„Aphrodisiakum“ heißt das aktuelle Album und nomen ist hier durchaus omen. Erotisches Knistern ist zu hören, wenn die drei in weiße Anzüge geschmiegte Herren Mathias Zeh, Rainer Schacht und Christoph Jess über die Anmache eines Machos singen, die wortwörtlich nach hinten los geht oder die inneren Werte des weiblichen Geschlechts geflissentlich übersehen, weil anderes doch wichtiger ist.

„Liebe ist wie ein Aquarium – und manchmal kippt das Wasser um“, heißt einer der vielen geist- wie kunstvoll geschmiedeten Verse, die es doch immer faustdick zwischen den Zeilen haben: Die Kehrtwende um 180 Grad ist die Spezialität von „Ganz schön feist“ und viele Pointen werden süffisant lächelnd aus der Hinterhand serviert.

Stimmlich harmonieren sie bestens, verzichten aber auf allzu viel Gehampel und Choreografie, aufgebauschte Gesangseinlagen und lautes Tamtam. Nein, „Ganz schön feist“ kommt ganz anders daher, als es der Name vermuten lässt: auf leisen Sohlen nämlich, aber mit klasse Nummern.

Ihre „mangelnde“ Show karikieren Zeh, Schacht und Jess indes selbst und zappeln unbeholfen in Reih’ und Glied. Hier sind es eher die kleinen Gesten, die zumal auf der Bühne des Unterhauses – Rainer Schacht: „Ursprünglich war der Raum ja mal als Teilchenbeschleuniger konzipiert.“ – gut platziert sind: Galante Platzwechsel, Vor- und Zurücktreten einzelner Protagonisten, der Wechsel vom reinen A cappella- zum mit Gitarre, Ukulele oder hintergründiger Perkussion instrumental begleiteten Song erzeugen jene Intimität, die auch Mathias Zeh in seiner Moderation mit sanft-seidiger Stimme unterstreicht.

Doch „Ganz schön feist“ steht eben für mehr: Mit „Popacapellacomedy“ läst sich der Stil am besten beschreiben, wobei Gesang dabei längst nicht alles ist. Das gepflegte Wort hat auch außerhalb der Moderationen seinen festen Platz und wird wie im Song „Wie geht’s ’n“ vom aktuellen Album zum schon aus sich selbst klingenden Song aufpoliert.

Und natürlich können die Jungs auch wunderbar Quatsch machen, wenn sie davon singen, warum gerade in ihrer Heimatstadt Göttingen Enten keine Ohren haben oder widerwillig auf Englisch singen – dafür aber in „wörtlicher“ Übersetzung des deutschen Textes.

Seit gut 20 Jahren gibt es die Gruppe und hat in ihrer jetzigen Besetzung zu einem wahrhaft harmonischen Ganzen und mit ihrem Stil zu etwas ansprechend Individuellem gefunden.

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