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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Das Beste zum Dienstjubiläum

MAINZ (29. November 2015). Was wohl ein Hamburger Polizist zum 25. Dienstjubiläum bekommt? Einen goldenen „Michel“ vielleicht? Ein Buddelschiff oder eine Hafenrundfahrt? Dirk Bielefeldt, der seit einem Vierteljahrhundert als Ordnungshüter „Herr Holm“ seinen Dienst auf deutschen Kabarettbühnen tut, erhält vor allem eines: Applaus. Auch im Unterhaus traf er auf ein unterhaltungswilliges Publikum, das die Klassiker-Revue des Hanseaten sichtlich genoss.

Die Bereitschaft zum Amüsement muss bei Künstlern wie Bielefeldt schon gegeben sein, sonst funktioniert es nicht. „Herr Holm“ hat nicht unbedingt eine Botschaft, er möchte sein Publikum, allesamt Teilnehmer eines polizeilichen „Informationsabends“, einfach nur zum Lachen bringen. Hierfür hat Bielefeldt seine Figur entwickelt: Uniformiert, schlaksig, steif und ungelenk, wobei letzteres mit einer wahrhaft akrobatischen Nummer später anschaulich widerlegt werden wird.

Schon der Beginn wird zur Zitterpartie – wer spricht schon gerne mit der Polizei? Herr Holm sucht die Nähe zum Publikum und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: Da ist ein Herr, der ausgerechnet von seiner geschiedenen Frau begleitet wird, bei einem anderen Gast werden die Haarschuppen bemängelt, ein dritter gar als Alkoholiker abgetan. Dieses „Personal“ wird immer wieder in die Nummern hineinzitiert, so dass sich auch bei diesem „Best of“ ein roter Faden findet.

„Wir von der Polizei“ – mit diesen Worten leitete Bielefeldt seine Nummern ein, auch wenn sie nicht zwingend mit der Exekutive zu tun haben. Die Bindung ist ohnehin durch die schnittige Uniform gegeben. Hanseatische Kodderschnauze verleiht dem Gesagten zusätzlich eine distinguierte Abgeklärtheit, so dass sich auch der derbste Scherz als pfiffige Pointe verkleiden kann.

Technisch auf dem neusten Stand – mit Funkverkehr, Hochdruckwasserpumpen und elastischen Kautschukstäben – führt Herr Holm seinen Bürostuhl vor, dokumentiert seine Erkenntnisse, die er im Seminar „Verpackungstechnik für den öffentlichen Dienst“ erworben hat oder sinniert über die Vorteile einer weiblichen Navi-Stimme, die weder widerspricht, noch sich an gelegentlichen Flatulenzen des Fahrers stört. Bielefeldt jongliert mit den Gags wie ein Clown: Nicht alles ist gelungen, aber der Gesamteindruck ist urkomisch.

Vielleicht ist es ja auch der kabarettistische Grundton, der trotz Klamauks seit 25 Jahren durch diese lustige Oberfläche hindurchscheint: Herr Holm ist schlicht eine keck gezeichnete Karikatur der ausführenden Staatsmacht. Über sie derart zu lachen, zöge in der Realität wahrscheinlich den Vorwurf der Beamtenbeleidigung nach sich. Auf der Kabarettbühne aber darf der Bürger sich auf Kosten der Polizei amüsieren – und zwar so, dass auch der Uniformierte schmunzeln kann.

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