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Jan-Geert Wolff

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Unterwegs „in meinem kleinen Land“:<br /> Jan Weiler blättert in seinem Lesereisetagebuch

MAINZ – Wenn einer eine Reise tut, dann kann er nach dem Volksmund einiges erleben. Und natürlich auch davon erzählen: Jan Weiler, Autor von „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und „Antonio im Wunderland“ unternahm in den Jahren 2005 und 2006 eine Lesereise. Von ihr erzählt sein 2007 erschienenes Buch „In meinem kleinen Land“, woraus er während seiner aktuellen Tour auch vorliest. Unter anderem.

Die erste Station an diesem Abend im Frankfurter Hof zu Mainz ist natürlich dem rheinhessischen Lokalkolorit gewidmet: In Bodenheim war Weiler im November 2005 zu Gast und erlebte den Ort, der für ihn der „Kulisse der Karl May-Festspiele im Winter“ ähnelt „nahezu ausgestorben: Es fehlen eigentlich nur Tumbleweeds, diese dürren runden Sträucher, die in Westernfilmen immer durch die verlassenen Städte kullern“. Weiler zählt „zwei Bäcker, zwei Metzger und ungefähr 16.000 Weinhändler“. Doch keine Angst: Am Schluss fühlt er sich auch hier wohl.

Wie übrigens an vielen Orten „in seinem kleinen Land“: Wo 2006 die Laola-Welle des fußballanimierten Nationalstolzes durch die Republik schwappte, erspäht er auch abseits der Stadien schöne Plätze. Das lässt ihn zwar nicht zum Patrioten werden, doch bekennt er im Vorwort von „In meinem kleinen Land“ gerne: Er mag dieses Land, weil es friedlich ist und schön und weil er die Deutschen mag, nachdem er ziemlich viele von ihnen getroffen hat. Das merkt man in jeder gelesenen Zeile, sei sie ironischer oder anrührender Natur.

Und so nimmt er sein Publikum mit auf die Lesereise nach Bielefeld, Fulda oder Vellmar und wie schon bei seinen italo-familiären „Biografien“ rund um Schwiegervater Antonio schmeckt man auch hier das Aroma einer Berliner Currywurst oder des Blechkuchens einer ostdeutschen Bahnhofsbäckerei förmlich auf den Lippen. Das Publikum hat in Jan Weiler tatsächlich einen „jungen Mann zum Mitreisen“ gefunden.

Natürlich gibt’s auch was von der angeheirateten mediterranen Sippschaft zu hören: Die Geschichte von einer italienischen Hochzeit, auf der Antonio Marcipane mal wieder kräftig für Wirbel sorgt oder die alternative Niederkunft von Schwägerin Lorella im schwiegerelterlichen Badezimmer schildert Jan Weiler mit ebenso unprätentiöser Stimme und sympathischen Zungenschlag wie die Einträge in sein Reisetagebuch. Bei Marcipanes sind die Gäste hörbar zuhause.

Doch aller guten Dinge sind drei, denn Jan Weiler steht mittlerweile auch beim Stern als Kolumnist unter Vertrag. Und so darf sich das Publikum auch an einigen Geschichten aus der Reihe „Mein Leben als Mensch“ erfreuen.

Hier ist der Titel Programm und wie seinem Kollegen Axel Hacke gelingt es Jan Weiler, dem Alltäglichen manch unfreiwillig komische Note abzugewinnen und diese in höchst elegante wie intelligente und unterhaltsam-ironische Sätze zu kleiden: Als da wären der Kindergeburtstag seines Sohnes Nick, Abhandlung zu hochbegabten Sprösslingen oder über das Phänomen der modernen Namensgebung, den „Kevinismus“ vulgo „Chantalismus“ sowie satirische Anmerkungen zu mehr Glamour in der deutschen Politik – nach dem Vorbild des französischen Staatspräsidenten Sarkozy.

Jan Weiler erzählte zu Beginn vom Zustandekommen seines Buches „In meinem kleinen Land“ und kündigte eine Fortsetzung mit Texten über die aktuelle Tour an. Hoffentlich spielt Rowohlt da mit!

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