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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Gestammelte Werke

MAINZ (28. März 2010). Als Johann König zum zweiten Teil seiner Lesung aus dem gleichnamigen Buch „Der Königsweg – Triumph über die Langeweile“ die Unterhaus-Bühne betritt, begrüßt er sein bestens gelauntes Publikum kurz und knapp: „Ich bin‘s noch mal – Euer Kasper.“

Letztendlich ist damit alles gesagt: An diesem Abend darf gelacht werden, bis die Pupille im Tränenmeer badet. „Progressives Evententertainment im Premiumbereich“ nennt der Kölner sein Konzept. Mit anderen Worten: Seinem Namen alle Ehre machend brilliert König als Monarch der Geschichtenerzähler, der das Zepter des Aberwitzes schwingt.

In der Lyrik geschult an Größen wie Ringelnatz, Morgenstern oder Erhardt macht er aus kleinsten Gedankensplittern großartige Unterhaltung: Der ewige Kreislauf der Möwenfütterung, der Tod erfolglos zu Besuch bei Johannes Heesters, Tanzen mit Pflanzen oder Gartenarbeit – elegant fasst König auch das Abwegigste in feine Verse.

Königs prosaische Gedanken, die er mit brüchig-schläfriger Stimme vorträgt, basieren auf dem Talent, mit der Sprache derart zu jonglieren, dass manche Wörter und Teile bewusst aus dem Satzbau fallen: Lakonisch pickt er im Alltag Begebenheiten auf und gibt sie im literarischen Stil des Stream of consciousness, des in Worte gefassten Bewusstseinsstroms auf eine Art wieder, die begeistert.

Ein bisschen Anakolut, ein wenig „Funkloch im Kopf“ und eine Menge wirrer Gedanken, von denen nicht zuletzt König selbst fragt, wie man darauf kommen kann: Dem sich selbst malenden Narziss spottende Wasserläufer werden mit Spüli und Fahrradklingel im Sinne Pawlows konditioniert, auf dass sie das Spiegelbild „im seeähnlichen Tümpelgedöns“ nicht mehr „krüsselig“ machen. Nachwuchs Hein-Mück wird auf die Katze Hekto-Pascal angesetzt, um mit lustigen Videos Geld bei der telegenen Pannenshow zu verdienen und der Schöpfungsgeschichte setzt König ein aberwitziges Pendant entgegen, in dem Gott die Schnauze von der Menschheit voll hat und zum jüngsten Gericht bläst.

Akustisch gibt es also Amüsement satt, doch auch optisch tischt König lukullische Absurditäten auf. Dem Selbstauslöser sei Dank kommt das Publikum in den Genuss von deutschen Impressionen aus Königs Tournee-Alltag. Auch hier regiert der kommentierende Wortwitz, gelegentlich als pfiffig monierende Bildbearbeitung auch urkomisch wortschöpfend.

Der Schalk hat sich bei diesem begnadeten Komiker vom Nacken über die Schädeldecke direkt in die Augen- und Mundpartie geschlichen, um dort heimisch geworden amüsiert lächelnd darüber zu staunen und sich zu freuen, dass sich das Publikum so herrlich amüsiert.

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