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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Die Lunte im Heuhaufen der Poesie

MAINZ (21. November 2013). Schon der Titel des Abends „Feuer im Haus ist teuer, geh raus!“ spricht Bände: Johann König, dessen Nachname Programm ist, wenn es um den Umgang mit Sprache und ihren Effekten geht, gibt nicht nur kluge Ratschläge, sondern erzählt vor allem herrlich abstrus(e) Geschichten, in denen er sein Auditorium packend in das Geschilderte hineinzieht. In diesem Falle ist es das angekokelte Playmobil-Piratenschiff von Sohn Hein-Mück, das dieser doch bitte im Garten abfackeln möchte, wo es zu einer skurrilen Plastik zerschmilzt.

Feuer ist auch im Programm: „Begrüßen Sie die Lunte im Heuhaufen der Poesie, den Streichholzkopf aus Köln, den sympathischen Pyromanen“, kündigt König sich selbst mit verstellter Stimme aus dem Off an: Der Mann weiß, was er kann. Gekonnt mangelnde Motivation vortäuschend („Ich freu mich – wenn es erst mal halb elf ist…“) legt der früher eher als Phlegmatiker geltende Künstler eine kokette Spielfreude an den Tag, die die Stimmung im Frankfurter Hof wie in einem Wellenbad aufbaut. Und diese Springflut der guten Laune ebbt nicht ab, sondern hüpft gut gelaunt glucksend durch die Reihen. Der Künstler hat keine Lust? Von wegen!

Da sind zum Beispiel kleine Audio-Schnipsel aus 80er-Jahre-Hörspielen der Marke TKKG, die König genial in sein Bühnenpatchwork einwebt und sein Publikum über den Fortgang der heute hanebüchenen Kassetten-Konversation raten und die unfreiwillige Komik für sich arbeiten lässt. Vorurteile werden durch Pflege durchsiebt und selbst der in die Pfanne gehauene Vegetarier kann über den Spott lachen, denn König vermeidet gekonnt die Verletzung. Dafür nutzt er fintenreich das Wortspiel, parkt zwischen Behinderten- und Frauenparkplatz: „Wo ist da der Unterschied?“, haut er grob drauf, um nadelspitz zu erklären: „Für mich ist es egal, auf wessen Parkplatz ich nicht stehen darf.“

Ob in Reimform oder Erzählung – man hängt an den Lippen des Kölners und folgt ihm gerne überall hin: Im Bio-Markt kauft er fair gehandelte Bananen aus der Region und freut sich, dass die pflückende Adoleszenz also wenigstens gut bezahlt wird. „Ich bekomme vom Markt die Gewähr und der Farmer das Gewehr, um die Kinder in Schach zu halten.“ Die früher mit brüchiger Stimme gespielte Schüchternheit ist einem abgebrühten Sarkasmus gewichen. Und König hat eine neue, aggressive Seite: Mitten in der cool vorgetragenen Pointe wird plötzlich laut aufgeschrien – Überraschungs- und Hallo wach-Effekt in einem. Aber wer wollte an einem solchen Abend schon einschlafen?

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