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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Das Alter als Witz?

MAINZ (23. April 2013). Das Konterfei des bekennenden Tabakgenießers Johannes Flöck grinst einem auf dem Plakat, das einer Zigarettenpackung nachempfunden ist, entgegen und warnt: „Lachen kann tödlich sein.“ Ein Abend mit der rheinischen Frohnatur birgt jedoch nicht unbedingt Gefahr, sich hier allzu ernsthaft zu verletzen.

Dabei klingt der Titel des aktuellen Solos „Der Geschmack der mittleren Reife“ durchaus vielversprechend und bildet den Abschluss einer Trilogie, die mit „Früher war ich jünger“ und „Auch Jünger werden älter“ begann.

Selbstironisch und hemdsärmelig geht der sympathische Graumelierte sein Thema an. In einer Zeit, in der „happy und birthday getrennte Wege“ gingen und der Körper nicht mehr ausführen könne, was der Kopf vorschlage, sieht sich Flöck so mancher Maläse ausgesetzt: „Ich sehe die Welt jetzt mit anderen Augen – und das klappt gut wegen der abnehmenden Sehkraft.“ Für die Eltern sei er immer noch jung, für die Nichte schon halbtot. Witze übers Altern werden immer gerne bedient: Kollege Bill Mockridge hat allein mit diesem Thema schon drei Programme gestaltet.

Der rote Faden des Abends kommt indes in einem ausgeblichenen Blassrosa daher, denn Flöck verfolgt das Thema des Alterns nicht allzu konsequent. Stattdessen verliert er sich in der Pflege von Klischees und Stereotypen: Pärchenabende mit Smalltalk und biologischen Kochorgien, Cellulitis („Sexy: Blindenschrift für Blinde!“) und Hypochondrie. Interessant ist hier vor allem die Reaktionen des Publikums, das im Schnitt dem Alter des 45-jährigen entspricht: Es amüsiert sich gerade über die Schablonen und mehr als einmal ist ein gut gelauntes „Genau!“ oder „So ist es!“ zu vernehmen.

Flöcks Vortrag ist lebendig, seine Formulierungen zuweilen brillant: „Du sagst, Du mit emanzipiert – ich wünschte Du wärest Emmanuelle.“ Heute sei es für den Teenager weitaus bedeutender sein Handy zu verlieren als die Unschuld und man würde nicht mehr in Ruhe Kaffee trinken gehen sondern trinke ihn nur noch „to go“. Dann aber schlägt die Amplitude wieder weit in Richtung Oberfläche und der Abend paddelt über weite Strecken im Seichten. Und das führt dazu, dass man mit vielen Gags genau das macht, was dem für sein Programm ergreisten Kabarettisten tagtäglich unterläuft: Man vergisst schnell…

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