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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Neunter Teil der rheinischen Trilogie

MAINZ – Wie schwer auch immer er sei: einen Einbürgerungstest würde Konrad Beikircher mit Bravour, 1+ und Sternchen bestehen, ist der geborene Südtiroler und vor 43 Jahren nach Bonn Gezogene doch ein Paradebeispiel für den assimilierten Immigranten. Als derart intergierter „Imi“ stellt er derzeit den mittlerweile neunten Teil seiner „Rheinischen Trilogie“ vor.

Beikircher hat die Luft des Rheinlands tief eingeatmet und als zugezogener „Imi“ eine innerliche Metamorphose zum Eingeborenen erlebt. Bis 1986 arbeitete er als Gefängnispsychologe in der JVA Siegburg und quittierte seinen Dienst schließlich zugunsten des Kabaretts. Das zu wissen ist vielleicht hilfreich, will man diesen Künstler richtig begreifen, denn es ist Beikirchers Fähigkeit, sich voll und ganz in einen anderen Menschen und hier sogar eine ganzes Völkchen hineinzudenken.

Zuhören muss man allerdings, vor allem als einer, dem das Rheinische nicht ganz so eingängig ist. Allerdings hört man, wenn Beikircher spricht, nicht nur artikuliert Laute, sondern fast schon Musik, denn der rheinische Singsang entschwindet seinem Mund und erreicht die Gehörgänge des Publikums wie ein frisch gezapftes Kölsch den Gaumen.

Worum geht’s also in der „Rheinischen Neunten“? Die Lust am und die Fähigkeit zu feiern, die merkantile Geschäftigkeit namens „Maggele“ und schließlich der rheinische, katholische und also „normale“ Glaube – also alles, was den Rheinländer nach Beikircher ausmacht.

Feste feiern, das könne der Rheinländer auch außerhalb der Session. Und das schon seit Jahrhunderten: Kurzweilig und unterhaltsam berichtet der Kabarettist vom Ableben des einstigen Kölner Erzbischofs Clemens August, der 1761beim Tanzen in Schloss Ehrenfels bei „Kobbelenz“ starb: „Ein Ende, da können wir beim Meisner vergeblich drauf hoffen.“

Sogar jedes Hochwasser werde als Anlass für ein Fest genommen und fast schon ein bisschen neidisch erinnert sich Beikircher an die Oderflut 2002: Habe der Sachse dem vorbeitreibenden Hausdach wehmütig nachgeschaut, hätte der Rheinländer stolz ausgerufen: „Sehense dat Haus do? Dat is ming!“

Und dann natürlich das „Maggele“ – für die rheinischen Patrizier besonders wichtig: Hierfür geht Beikircher zurück bis zur deutschen Kaiserproklamation in Versailles und erzählt von einer geheimen Order, die es deutschen Generälen seit dem 1870/71er-Krieg verbiete, Rheinländer an der Spitze der Truppen aufzustellen, da diese sofort mit dem Feind Geschäft machen wollten.

Ob man Konrad Beikircher seine bunt lackierten Histörchen wohl glauben darf? Wer hier zweifelt, dem könnte der „rheinisch-katholische“ Glaube helfen, den der Kabarettist mit der Schilderung einer Wallfahrt und einer Art Knigge für den Umgang mit den Heiligen ausführt, denn schließlich handele es sich hier um ein hochdifferenziertes System mit klar geregelten Zuständigkeitsbereichen.

„Wo sie grad‘ sagen klar geregelt“, würde Konrad Beikircher hier schnell einwerfen, denn allzu gradlinig geht dieser Kabarettist seine Pointen nie an. Abschweifen in Anekdötchen und kleine Ausschmückungen sind seit eh und je Programm. Aber auch, wenn sich Beikircher gelegentlich ein bisschen arg verzettelt, versöhnt einen doch rasch die Art des Vortrags: In sich ruhend, tolerant und weltoffen präsentiert sich dieser Rheinländer – sogar Protestanten gegenüber…

Dass Konrad Beikircher nicht nur über den Tellerrand, sondern auch über die Grenzen seines (Rhein-) Landes hinausschaut, zeigt sein Engagegement für die Deutsch-Guineische-Gesellschaft e.V., für deren Arbeit auch während seiner Auftritte Spenden sammelt. Informationen zu den Projekten finden sich im Internet unter www.eineschulefuerbissau.de.

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