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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Munter am Baum gesägt

MAINZ (5. Dezember 2010). Weihnachten – kaum ein Fest ist für die Kunst eine sprudelndere Inspirationsquelle: Malerei, Musik, Dichtung – und eben für das auch Kabarett. Zuweilen vermählt sich die Kleinkunst im Schatten der Tanne auch mit einer anderen Gattung, was „LaLeLu“ mit gediegener A cappella-Comedy mühelos schafft: Die gesangliche Perfektion kommt mit locker-frechem Witz daher, ohne dass man auch nur einen Moment lang die harte Arbeit merkt, die dahinter steckt.

Und natürlich ist Weihnachten für das agile Quartett ein gefundenes Fressen: Sanna Nyman, Jan Melzer, Sören Sieg und Tobias Hanf singen im Frankfurter Hof die besinnliche Stimmung, die vor Beginn der Show mit irisierendem Weihnachtsbaum aus gehölzfreundlichem Kunststoff und pastoralem Gefiedel erzeugt wurde, freudig in Grund und Boden. Hierfür haben die vier Musiker eine Nummernrevue ersonnen, die liebe- wie humorvoll die Auswüchse des gefühlten Christbaums aufs Korn nimmt.

Moderator, Texter und Arrangeur Sören Sieg führt galant durch das Programm und findet für bereits gewonnene Einsichten doch immer wieder passende Worte: „Weihnachten ist für Beziehungen das, was der Vesuv für Pompeji war.“ Man erfährt, dass Erich Honecker das christliche Fest feierte, nachdem er die rote Kutte des Geschenkebringers neu interpretiert hatte und bei der Show „Deutschland sucht den Nikolaus“ darf der norddeutsche Rocker von der Motorradgang „No Angels“ davon singen, wie ihn die adventliche Stimmung anrührt.

Höhepunkte sind der Agro-Choral von Tobias Hanf, der den Tannenbaum mit seinem Sprechgesang schmückt und natürlich das Kasperletheater „Hau drauf“, das dem Publikum mit dem Lied „In der Weihnachtsmetzgerei“ in blutigen Versen schmackhafte Satire serviert, ohne dabei Minderheiten zu verschonen: „Mögt Ihr alle Fleisch?“, kräht der Kasper und reagiert auf manch ernährungsbewusstes „Nein“ mit der Bitte: „Vegetarier halten die Klappe!“

Dazwischen hängt „LaLeLu“ blitzenden Christbaumkugeln gleich gelungene Parodien: Drafi Deutscher skandiert „Welch‘ ein Jubeln und Musizier’n“, George Michael intoniert sonnenbebrillt „Last Christmas“ und Reinhard Mey vergisst als renitenter Störenfried des bürgerlichen Weihnachtsfestes, welch provozierende Frage er stellen wollte – ach ja: „Gibt’s an Heiligabend Karpfen oder Kartoffelsalat?“

Ein Geschenk ist dieser Heilige Abend von und mit „LaLeLu“ allemal, denn die vokale Präsenz des Quartetts überzeugt in allen Stilen – nicht nur im finalen Weihnachts-Musical „Kumpel Jesus“ und in der Zugabe, in der die Gruppe die größten Hits aus 100 Jahren in einem klingenden Zeitraffer persifliert. Freilich haben nicht alle Sketche immer gleich viel mit Weihnachten zu tun. Aber das haben sie ja mit dem derzeit Zelebrierten gemein…

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