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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Liebenswerter Besserwisser

MAINZ (23. November 2015). Bernhard Hoëcker ist ein Multitalent. Wie ein Springteufel landet er auf der Unterhausbühne und die Inkubationszeit in Sachen gute Stimmung ist sofort vergangen: Mit breitem und vor allem ehrlichem Lächeln umarmt der Rheinländer sein Publikum gleichsam und lässt es den Abend über nicht mehr los.

„So liegen Sie richtig falsch!“ heißt das aktuelle Programm des begnadeten Mimen, Komikers, Parodisten und vor allem Improvisationskünstlers. Gelernt hat Hoëcker unter anderem bei den Bonner Springmäusen, doch sein Talent hat er bis zur Perfektion verfeinert. Zwar ist der Abend natürlich im Groben abgesteckt und auch bei einem Totalausfall seitens des Publikums würde der Comedian einen unterhaltsamen Abend hinkriegen. Doch die Leichtigkeit, mit der er sein Auditorium einbindet, dürfte ihn auch dazu befähigen, gänzlich frei und ohne Konzept auszukommen.

Da ist der Herr in einer der vorderen Reihen, der nach seinem Beruf gefragt ausgerechnet mit „Risikoanalyst bei einem Ingelheimer Pharmakonzern“ antwortet. Etwas Besseres kann sich Hoëcker gar nicht wünschen und löchert den Gast sympathisch aufdringlich. Auch eine Arzthelferin und eine Akademikerin, die über Lasertechnik promoviert hat, dürfen munter Auskunft geben. Die erlangten Informationen lässt Hoëcker an passenden Stellen immer wieder fallen – und das Publikum lacht schallend ob des Wiedererkennens.

„Alles, was Du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles, was wahr ist, solltest Du auch sagen“, dem Postulat des Philosophen Voltaire stellt Hoëcker ein patziges „Doch!“ entgegen. Er parliert gerne mit seinem Wissen, jongliert mit Informationen, führt auf falsche Fährten, deckt Irrtümer auf. Das funktioniert hervorragend mit der Zeichensprache: Uns geläufige Gesten bedeuten in fernen Ländern nämlich gänzlich anderes. So ist der hochgestreckte Daumen in der der Türkei eine Beleidigung und das Tippen an die Schläfe in Peru Ausdruck der Bewunderung. Gemeinsam mit der Tauchersprache formuliert Hoëcker herrlich abstruse Geschichten.

In der Kommunikation mit dem Publikum geht es unterhaltsam von Frankfurter Grüner Soße über Walküren und Wikingerhelme zu Verschwörungstheorien. Kein Thema ist dem Comedian zu abwegig, Kommentare werden aufgegriffen und eingebaut – die Situationskomik spielt Hoëcker in die Hände.

Er selbst gibt gerne zu, an jedem Abend etwas Neues zu lernen – das Publikum aber weiß am Ende der rasanten Show unglaublich viel mehr: Es kennt jetzt das „Vier-Ohren-Modell“ und die Ursachen des Missverstehens, benutzt (zumindest kurzfristig) die sauberste Toilette und erkennt im Vorhinein die längste Kassenschlange. Selten war ein Klugscheißer derart liebenswert.

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