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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Hundertjähriger Münchhausen aus Schweden

MAINZ (25. Januar 2015). Am 29. Januar feiert in den Mainzer Kammerspielen die Bühnenfassung des Romans „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson Premiere. Wie sich Achim Stellwagen als Darsteller des Helden Allan Karlsson auf seine Rolle vorbereitet, erzählt er im Interview:

schreibwolff.de: Wie sind Sie mit dem „Hundertjährigen“ in Verbindung gekommen – durch das Buch oder den Film?

Achim Stellwagen: Den Film habe ich bis heute nicht gesehen, um mir meine eigene Vorstellung von der Person des Karlsson nicht beeinträchtigen zu lassen. Ich kenne also bislang „nur“ das Buch – und war sofort begeistert! Es kommt selten vor, dass ich während des Lesens laut lachen muss – hier ist mir das mehrmals passiert. Das Ganze ist so klug und wendungsreich, dass man staunt, wie Jonasson das entwickelt hat und mit welch trockenem Sprachwitz er erzählt.

schreibwolff.de: Die Geschichte um Karlsson und den Geldkoffer, der zufällig in seinen Besitz kommt, verfolgende Gangster, seine Freunde und sogar einen Elefanten blendet ja immer wieder in die Vergangenheit – das ist doch sicherlich eine spannende Aufgabe für die Bühne.

Achim Stellwagen: Wie spielen einen „Lügenroman“ und der Held erzählt immer wieder, wo und wie er in der Weltgeschichte Einfluss auf diese genommen hat – man lernt dabei auf unterhaltsame Weise unheimlich viel. Das Vergnügen ist umso größer, wenn man um die wahre Historie weiß und sie dann so herrlich entlarvend vorgelogen bekommt. Es ist eine Freude, diese Geschichte zu lesen – und jetzt natürlich im Spiel selbst zu erzählen. Dafür hat das Theater ja ganz eigene Mittel: Auf der Bühne sind wir zu viert, können Puppen einsetzen, mit Schatten spielen oder einfachen Versatzstücken arbeiten. Das Buch findet in der Fantasie des Lesers statt, der Film hingegen legt jedes Bild und jedes Wort zuvor fest. Das Theater hingegen stellt dar und fordert dennoch gleichzeitig die Fantasie heraus.

schreibwolff.de: Wie haben Sie sich auf die Rolle des „Hundertjährigen“ vorbereitet?

Achim Stellwagen: Diese Rolle ist eine tolle Herausforderung, denn ich spiele ja ein ganzes Leben und springe zwischen den Szenen. Gerade war ich noch 100 und bin jetzt ein junger Mann. Um mich der Rolle anzunähern, habe ich mich an vieles aus meiner eigenen Vergangenheit erinnert und konnte für das Denken und Fühlen des alten Menschen von der Rolle eines tüddeligen Großvaters profitieren, den ich in der Weihnachtszeit gespielt habe. Was macht einen alten Menschen aus, der nicht mehr ganz so schnell agieren kann – psychisch wie physisch? Auch im eigenen Bekanntenkreis erlebt man das ja.

schreibwolff.de: Egal ob aus dem Buch oder dem Kinofilm – der Zuschauer wird ein bestimmtes Bild von Allan Karlsson und seiner Geschichte haben. Schränkt Sie das ein?

Achim Stellwagen: Ich muss zum Glück nicht gegen diese Vorstellung anspielen, sondern füge dem Bild eine weitere Facette hinzu. Kein Schauspieler kann leisten, was jeder Leser im Kopf leistet. Und umgekehrt darf und sollte jeder Theaterbesucher neugierig und vor allem offen demgegenüber sein, was auf der Bühne zu sehen ist. Wir eröffnen mit unserem Spiel andere Blickwinkel, ergänzen eine Vorstellung, aber zerstören sie sicherlich nicht. Das eigene Bild bekommt keiner weggenommen – aber vielleicht ja das eine oder andere Glanzlicht geschenkt.

Informationen zu Vorstellungsterminen und zum Ticket-Verkauf unter http://www.mainzer-kammerspiele.de .

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