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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Männer und Männer passen einfach nicht zueinander

MAINZ – Zwar sind Jo Malinke und Tetta Müller tatsächlich schon seit sieben Jahren verheiratet, doch erleben sie auf der Bühne als Malediva sozusagen ein Déjà-vu, denn die Hochzeit ist noch keinen Tag alt, die Erinnerungen umso frischer: Der eine fragte nach Heirat, der andere sagte nicht „Ja“, sondern eben nur „Ja, ja“…

Warum sollten zwei schwule Männer andere Probleme haben? Auch sie passen natürlich, frei nach Loriot, nicht zusammen: Die eine Schwiegermutter ertränkt ihren Filius in Zuneigung, die andere schnitzt am schlechten Gewissen des Sohnes und drei Tage „zu den Eltern“ werden zur gefühlten Ewigkeit: „Nach der Hochzeit ist es wie vorher – aber für immer.“ In spitzfindigen Dialogen entspinnt sich ein feines Kammerspiel um die Liebe ohne Kabale, aber mit manchen Sticheleien.

Malinke und Müller baden dabei wohlig im Klischee, haben das ganze doch so übertrieben aufgepeppt, dass man enttäuscht wäre, wenn etwas fehlt: das Zusammenziehen und -wohnen, das Aneinander-Vorbeireden und die kleinen Macken des anderen. Letztendlich muss jedoch die Liebe siegen und das tut sie mit einem flammenden Plädoyer für die Zweisamkeit, das durchaus zu Herzen gehen kann – und soll.

Doch bevor der Klamauk zu dick aufgetragen ist, durchbrechen die beiden großen Mimen (am Flügel brillant begleitet von Florian Ludewig) die aufgebauschte Stimmung gekonnt mit melancholisch zartbitteren Liedern über Traurigkeit, Angst und das Warten auf die große Liebe, die ja vielleicht ganz woanders wohnt.

Aber der Schwermut hat keine Chance gegen die Sexgeräusche der Nachbarn, ein wirksames Mittel gegen das Altern („Jung sterben – aber der Zug ist wohl auch schon abgefahren.“) oder die Geschichte vom Flaschenpfandautomat und Gregory Peck. Das Lächeln, das Tetta Müller, Jo Malinke und Florian Ludewig in einem Song angeblich „nur für die Show“ aufsetzen, ist ein echtes und springt nicht nur von Nummer zu Nummer, sondern auch im hohen Bogen auf die Gesichter des Publikums.

Fazit: Ein Abend mit Malediva ist besser als jede Therapiesitzung beim professionellen Mediator: So, wie sich die beiden als Frischvermählte nach nur 22 Stunden Ehe („Kommt mir schon viel länger vor…“) zanken und gegenseitig die Nerven malträtieren, kann es selbst in der instabilsten Beziehung nicht zugehen. Und wer das neue Programm „Ungeschminkt“ von Tetta Müller und Lo Malinke einmal gesehen hat, dem kommen die eigenen Probleme wie keine vor.

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