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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Frivoler Blick durchs Schlüsselloch

MAINZ (2. Februar 2012). Man wird nicht müde, das Thema Mann und Frau auf die Kabarettbühne zu bringen – Mann nicht und Frau auch nicht. Das kann ermüden, muss aber nicht, denn es kommt vor allem auf die Originalität der Komparsen an, die zusammen in diese Beziehungskiste steigen.

Was „Malediva“ in seinem aktuellen Programm „Pyjama-Party“ mehr als wörtlich nimmt: Das Publikum darf einen frivolen Blick durchs Schlüsselloch werfen und dem nächtlichen Treiben von Tetta Müller und Lo Malinke zuschauen. Jeder, der dieses Ehepaar de luxe kennt, weiß, dass man hier viele Höhepunkte erlebt.

Die Unterhaus-Bühne wird zum Bett: links ein Tischchen mit Lampe und Telefon, rechts eines; links Tetta im Schlafanzug, rechts Lo im Partnerlook – fast mutet es wie ein Spiegelbild an und das sicherlich nicht zufällig, denn der Zuschauer, ob homo- oder heterosexuell, darf sich in diesem Faksimile wiedererkennen.

Sind die Betten frisch bezogen oder wurde nur gelüftet? Stimmt es, dass ein Männchen sein Revier durch abgelegte Kleider markiert? Schreibt der eine eine „To do-Liste“, wird es für den anderen nicht oft eine „Tu Du es-Liste“? Und wie verhält es sich in der eigenen Beziehung mit der Fernbedienung: Gibt es auch hier einen, der statt zu zappen lieber Videotext liest?

Malinke und Müller haben den nächtlichen Beziehungsalltag mal wieder wunderbar pointiert beobachtet und spielen die einzelnen Szenen mit einem so spürbaren Spaß, dass man meint, sie würden sich selbst dabei zusehen. Mit beneidenswerter Selbstironie hinterfragt das Paar, wer hier die Hosen anhat: „Du hast es mir verboten?“, mault Lo zum Thema Raumspray – „Wir haben uns geeinigt“, interpretiert Tetta den Kompromiss, um selbst nach einer nächtlichen Zigarette zur versprühten Erfrischung zu greifen. Allerdings ist er es auch, der bei einem Paartherapie-Spiel unschlagbar logisch argumentiert: „Ich habe die Regeln nicht gemacht, also muss ich mich auch nicht dran halten.“

So kabbeln sich die beiden Betthäschen munter weiter und werden dabei nicht müde, einander Vorwürfe zu machen, wobei vor allem die Mimik Malinkes, seine Übertreibung und das Improvisationstalent der beiden jeden Abend zu einem Unikat werden lassen.

Und trotzdem sind sie glücklich miteinander, wie sie in einem ihrer schönen, koketten, zuweilen melancholischen aber stets stimmungsvollen und von Florian Ludewig galant am Flügel begleiteten Lieder betonen.

Liegt es vielleicht auch daran, dass dieses real existierende Ehepaar sein Bühnentreiben als Mediationsersatz versteht und nutzt? Tetta meint nach einer knuffigen Kissenschlacht: „Gewalt in der Ehe lehnt man ja immer ab – aber man weiß gar nicht, was einem da entgeht.“ Solange Lo hier nicht widerspricht, will man das mal so stehenlassen und wünscht (sich) weitere so gute Nächte.

Informationen und Termine unter http://www.malediva.de.

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