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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Für den schnellen Hunger zwischendurch

MAINZ (22. Februar 2016). Um seinen Pointenhunger zu stillen ist der geneigte Humor-Gourmet im Unterhaus an der richtigen Adresse. Die Tagesempfehlung des Abends lautet „Gebratenes Wasser und schale Tiere“. Und das tatsächlich im Wortlaut auf der (Eintritts-) Karte, denn so heißt auch das gemeinsame Programm der beiden Kabarett-Haudegen Jochen Malmsheimer und Thomas C. Breuer.

Ersterer begeisterte erst jüngst als wortgewaltiger wie eleganter Moderator bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises 2016 und ist auch vom 18. bis zum 20. April mit seinem Solo-Programm „Wenn Worte reden könnten oder: 14 Tage im Leben einer Stunde“ im Unterhaus zu sehen. Auch bei diesem kulinarischen Scherz-Buffet zeichnete er für die elegischen Spezialitäten verantwortlich.

Es geht ums Essen und ums Trinken. Breuer steuert hierfür Teile seines Programms „Kabarett Sauvignon“ bei. Und so wohl formuliert der Titel sind auch die Bonmots, die er der bestens aufgelegten Tafel-Gesellschaft kredenzt: Staudensellerie sei kein Imperativ, Estragon nicht das US-Verteidigungsministerium und Baguette kein Krustentier, serviert er knackige Wortspielereien zwischen Linguine, Ligurien und Langusten.

Malmsheimer macht sich seinen Reim auf die zahllosen Kochsendungen und hat eine Radio-Koch-Show erdacht, deren fehlende optische und olfaktorische Reize durch auf den Punkt gegarte Formulierung ersetzt werden: Der Gast – erwartet hatte man den Maître de Cuisine, gekommen war dann doch nur die Spülhilfe – kocht Kartoffeln und verrät die „sagenumwobenen Tricks“ der Meisterköche: „Wasser in den Topf.“

Gemeinsam probiert man sich durch Weine und das Deutsch der Sommeliers („Somalier sind was anderes.“), leidet unter Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten. Auch hier ist die Wortwitz-Dichte immens, doch Masse ist leider nicht auch immer gleich Klasse: „Uiuiuiuiui“, tönt es aus dem Auditorium – ohnehin fühlt man sich zuweilen eher wie auf einer Karnevalssitzung als im Unterhaus.

Alles recht witzig. Aber der Abend krankt daran, dass er eben doch nur ein zusammenmontierter ist: Vermeintliche Highlights aus zwei für sich stimmigen Programmen ergeben leider noch kein eigenständiges. Statt originär komponiert passt alles nur irgendwie zusammen. Letztendlich ist es wie mit Nutella und Gewürzgurke: einzeln recht lecker, zusammen aber höchstens für Hochschwangere ein Genuss.

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