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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Nichts als pubertäre Blödeleien

MAINZ (16. November 2010). Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, sagt das Sprichwort. Mit einem Stau hatte Plaudertasche Matze Knop offenbar nicht gerechnet: Im Gegensatz zur Vorausschaubarkeit seiner Gags ließ der als Promi-Parodist bekannte Comedian sein Unterhaus-Publikum über eine halbe Stunde warten. Der Hausherr reagierte auf diesen Fauxpas dankenswerterweise mit Sektausschank – doch angesichts des Kommenden hätte man sich Hochprozentigeres gewünscht.

„Operation Testosteron“ heißt Knops aktuelles Bühnenprogramm. Ein Blick ins Lexikon klärt auf: Jenes Sexualhormon bewirkt in der männlichen Adoleszenz die Entwicklung der primären Geschlechtsorgane, forciert nicht nur die Libido, sondern auch dominante wie aggressive Verhaltensweisen. Und so sieht auch dieser Abend im Unterhaus aus, quasi ein Testosteronspiegelbild der wissenschaftlichen Expertise: Denn Knop ist die Direktheit des privaten Fernsehens gewohnt, jener virtuellen großen Halle, die eben keinen unmittelbaren Publikumskontakt bietet. Vor Zuschauern aus Fleisch und Blut aber strampelt dieser selbsternannte Komiker nur intensiv an der Oberfläche, ohne dass sie an Substanz gewinnt.

Die Show hat in der Tat etwas Pubertäres: ein peinliches Blödeln auf einem Niveau, gegenüber dem Kollege Mario Barth geradezu grimmepreisverdächtig wirkt. Eingespielte Parodien von Jürgen Klopp oder Dieter Bohlen kommen äußerst flach daher. Wo ihnen auf der Mattscheibe noch das Flirren der Scheinwerfer als komödiantisches Spotlight humoristisch Glamour verleiht, scheitern sie als Versatzstücke kläglich. Eine telegen verstärkte Howard Carpendale-Parodie mit perfekter Verkleidung, Mimik und Gestik wirkt – zumal in der Konfrontation mit dem Original – eben tausend Mal besser, als wenn man dergleichen aus der Konserve kredenzt.

Wer Nummern vom Format der gekonnten TV-Spots aus WM-Zeiten erwartete, winkte hier müde ab. Ohnehin fragt man sich, warum sich so viele Possenreißer penetrant darauf beschränken, die peinliche wie peinigende Wirklichkeit spöttisch wiederzugeben anstatt kreativ Eigenes dagegen zu setzen – und das wäre auf jeden Fall etwas anderes als Knops Banalitäten, die sich die Feder sträubte mitzuschreiben.

Nein, der „Operation Testosteron“ ist keine Fortune beschieden, auch weil dieser Comedian mit der Kleinkunstbühne eines Unterhauses kaum kompatibel ist. Dass die Programmmacher mit einem solchen Darsteller vor allem jüngeres Publikum ansprechen wollen, ist durchaus legitim und der Erfolg schien ihnen auf den ersten Blick Recht zu geben. Die Leistung des Gastes sollte jedoch hinter dem gewohnten Anspruch des Hauses bitteschön nicht dermaßen weit zurückstehen…

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