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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Mit federndem Groove

MAINZ (19. März 2016). A-cappella-Gesang im Unterhaus? Das hört man hier nicht allzu oft, aber immer mal wieder: In der Vergangenheit waren das nicht nur die Lokal-Matadore von „Aca & Pella“, sondern auch „Sechs-Zylinder“, die „Schmachtigallen“ oder „High Five“.

Nun ist die „Röhre“ akustisch und von der Bühnengröße her vielleicht nicht die allererste Wahl für derartige Vorstellungen. Aber auch das Gastspiel des Freiburger Quintetts „Unduzo“ war eine recht gute Show – schließlich empfing das Publikum die Gäste bei ihrem ersten Unterhaus-Gastspiel mit herzlichen Vorschuss-Lorbeeren.

„Unduzo“ – hinter diesem Namen verbergen sich Linda Jesse (Mezzosopran und Alt), Patrick Heil (Tenor) und Cornelius Mack (Tenor und Bariton) sowie Richard Leisgang (Bass und Bariton) sowie Julian Knörzer (Bariton und Beatbox). Sie wissen, worum es geht, denn alle haben Musik studiert. Verkopft ist die Kunst dieses Quintetts aber nicht, sondern kommt mit federndem Groove daher. Allein schon die Stimmverteilung bürgt für eine vitale Flexibilität: Die Sänger wechseln die Register und geben ihrem Gesang allein dadurch schon eine prickelnde Spannung.

Worum geht es? Ernste Inhalte sind nicht das Allererste, wozu sich „Unduzo“ berufen fühlt. Auch die Kölner „Wise Guys“, derzeit sicherlich Deutschlands wohl bekannteste A-cappella-Formation, brauchten ihre Zeit, um mit ihren Liedern Gesellschafts- oder Zeitgeist-Kritik zu üben. Nein, die musikalisch-stilistische Lockerheit von „Unduzo“ spiegelt sich in ihren Texten. Mit „Unten ohne“ zieht man nur stimmlich blank und besingt den fehlenden Bass „im Oralbereich“. Der Frühlingsbeginn wird geschlechterspezifisch betrachtet und ein Liebeslied erklingt mit französischem Akzent: „Heute Nacht überkamen / mich Erinnerungen über Carmen.“

Außerdem darf (muss!) das Publikum mithelfen: als Geräuschkulisse imitiert es „Soundeffekte“ wie Baumknarzen, Schmerzensschreie, Grunzen oder einen Düsenjet – letzteres ist für den Mainzer natürlich kein Problem Aber es mischen sich auch vergleichsweise nachdenkliche Töne in die Set-Liste, wenn in der „Ballade vom Sofa“ eine Parabel über selbstlose Gefälligkeiten angestimmt wird – all das ausgewogen und harmonisch, transparent und knackig. Per Loop wird das Quintett sogar zum großen Vocal Orchestra.

Man sieht – oder besser hört: „Unduzo“ beherrscht die Klaviatur der Vokalkunst. Nicht umsonst sind sie bereits mehrfach preisgekrönt: 2014 errangen sie beim internationalen Wettbewerb „Vokal total“ in Österreich erst Gold und werden im April in Stuttgart mit dem Kleinkunstpreis Baden-Württemberg 2016 ausgezeichnet.

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