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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Wie zerkochtes Gemüse

MAINZ (18. Januar 2011). Mon Dieu! Was soll denn das? Da steht Nathalie Licard auf der Unterhaus-Bühne und erzählt mit irgendwann nervtötendem Akzent Geschichten aus ihrem Leben als Französin in Deutschland. In Zeiten der Globalisierung ist das eigentlich keine Randnotiz mehr wert – doch Licard hat daraus gleich ein ganzes, wenn auch dünnes Buch gemacht.

„Ich bin gespannt wie gekochtes Gemüse“ heißt es und erzählt, wie sich die aus der Harald Schmidt-Show bekannte Gastarbeiterin ebendort als Mädchen für alles verdingte und schließlich zu einem Running Gag der Sendung wurde. Gleiches ist auch Thema wie Titel des leider nur zeitlich abendfüllenden Programms.

Nun muss man kein Sternekoch sein, um zu wissen, wie sich Gemüse verhält, wenn man es kocht: Auf den Punkt ist es schön knackig und aromatisch, zu lange gegart verliert es jedoch rasch Geschmack und Konsistenz – was auch zutrifft, wenn man es immer wieder aufwärmt. Nathalie Licard unterläuft ebendieser Fehler, denn die „Interviews“ mit Nicolas Cage oder Woody Allen, die vor Jahren im TV ein Grund zum Schenkelklopfen gewesen sein mögen, sind heute als dem Zusammenhang entrissene Videoeinspielung einfach nur noch fade.

Mit trennbaren Verben auf dem Kriegsfuß postuliert sie Streichungen in der deutschen Grammatik: „Der Nominativ würde doch reichen!“ Und schnell wird klar: Nicht nur der Dativ ist „dem Genitiv sein Feind“. Dass die Französin Probleme mit der Sprache ihrer Wahlheimat hat, ist nicht zu überhören und zuweilen recht launig. Wenn sie allerdings davon aus der Vergangenheit erzählt, passiert das Gleiche wie mit den von Harald Schmidt dereinst grandios gezündeten Gags: Heute verpuffen sie. Und wirklich witzig ist das Verwechseln der wurstigen Scheibe mit Scheide oder Bürste mit Brüste auch nicht. „Ich war nicht unbedingt qualifiziert, aber bereit für alles“, erinnert sich die Französin an ihre ersten Tage in Köln. Daran hat sich offenbar nicht all zu viel geändert.

Die Eindrücke in der vermeintlichen Fremde haben in jüngerer Zeit ohnehin zu viele Autoren dazu animiert, Bücher zu schreiben. Jan Weiler war mit „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ der erste und noch beste. Doch mehr als das Meditieren über Döner, Ouzo, Fish & Chips, Baguette oder andere Klischees kommt bei seinen Nachahmern meist nicht heraus – und Nathalie Licard ist eine von ihnen. Wer sich unbedingt selber ein Urteil bilden möchte, sollte sich also das Buch kaufen – es ist weitaus preiswerter als die Karte für einen Kleinkunstabend und kann bei Nichtgefallen immerhin noch unter ein zu kurzes Tischbein geschoben werden…

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