Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Kleinkunst

Ohne Rolf und mit Alfons

MAINZ (10. März 2014). Wenn man schon mal das ganze Equipment für eine Fernsehaufzeichnung da hat, lohnt es sich, am Tag nach der der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises nicht gleich alles abzubauen, sondern am Folgeabend weitere Darbietungen einzufangen.

In diesem Jahr gab es eine Doppelfolge mit dem Ensemble „Ohne Rolf“ als Preisträger der Kategorie Kleinkunst und dem beliebten Franzosen Alfons alias Emmanual Peterfalvi, der mit seinem Puschel-Mikrofon in Deutschlands Fußgängerzonen und Schrebergärten investigativ nach der deutschen Seele fahndet.

Zuvor jedoch ertönt die Stimme aus dem Off. Sie gehört Regisseur Peter Schönhofer und kommt aus dem 3sat-Ü-Wagen, der gegenüber des Unterhauses steht: „Handys bitte –komplett – ausschalten und im Falle eines Brandes einfach unseren fliehenden Kameraleuten hinterherlaufen“, sind letzte Ansagen, bevor mit einem donnernden Testapplaus die Regler eingepegelt werden. Das ist sinnvoll, denn dieses „Geräusch“ wird an diesem Abend öfters zu hören sein.

Zuerst also Alfons. Seit über 20 Jahren lebt er nun schon in Deutschland und versprach einst seinen Freunden in Paris: „Ich bleibe so lange da, bis ich die Deutschen verstanden habe.“ Zum Glück dauern seine Recherchen an und als Reporter fühlt er Passanten auf den Zahn: Wieso haben die Deutschen zu wenig Kinder und könnte man sie mit Prämien zur Fortpflanzung animieren? Ein Toaster oder ein Monat „Premiere“? Die befragte Dame zögert – und lenkt bei einem Jahr Bezahlfernsehen ein.

So geht es weiter: um die Schönheit von Frauen oder die Mittagsruhe bei deutschen Laubenpiepern. Allerdings adelt die Einspieler, dass sie den Zuschauer zwar über Gebühr amüsieren, die Teilnehmer aber nicht bloßstellen – das schaffen diese zuweilen nämlich ganz alleine.

Darüber hinaus erweist sich Alfons als glänzender Entertainer, wenn er mit gallischem Zungenschlag moniert, Deutsche hätten zu wenige Skandale: „Hollande auf dem Motorroller unterwegs zu seiner Geliebten – der Mann hat die Atombombe.“ Feixend stellt der Franzose klar, seine Landsleute hätten nichts gegen Deutsche: „Wir hassen einfach jeden.“ Und statt Deutscher Gesetzestreue pflege man im Schatten des Eiffelturms lieber die Erotik: „Während Ihr noch auf der Suche nach dem G-Punkt seid, sind wir schon bei H, I und J.“

War es bei Alfons die gesprochene Pointe, die beim Publikum für angespannte Lachmuskeln sorgte, kommt sie bei „Ohne Rolf“ in gedruckter Form: Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg blättern ihre Äußerungen auf großformatigen Plakaten um und schaffen es trotz vorgefertigter Texte die Illusion der Improvisation zu schaffen.

Was in der romantischen Musik das „Lied ohne Worte“ ist, bringt „Ohne Rolf“ überzeugend auf die Kabarettbühne und übt sich im beredten Schweigen: Da wird in Versalien gestritten, im Fettdruck geschrien und ein „Sorry“ wortwörtlich kleinlaut gedruckt. Mit einem altertümlichen Klingelbeutel fischen Anderhub und Wolfisberg Gedanken aus dem Publikum, offenbaren auf der Plakatrückseite ihre Hintergedanken und pflegen auf kleinsten Papierschnitzeln den Small-Talk. Die zuvor kunstvoll arrangierte „Unterhaltung“ ist das geistvolle Dressing für diesen Blatt-Salat – man könnte ihnen stundenlang zusehen.

„Alfons: Mein Deutschland“ ist bei 3sat am 6. April um 20.15 Uhr zu sehen, die Sendung „Ohne Rolf: Erlesene Komik“ am 27. April um 21 Uhr.

zurück