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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Ostwestfälische Plaudertasche

MAINZ – Als die Casting-Genese noch in den Kinderschuhen steckte, suchte der Privatsender Sat1 in seinem Format „Star Search“ Deutschlands beste Comedians. Und wurde fündig: Ingo Oschmann hieß der damalige Gewinner. Mittlerweile tourt er mit seinem dritten Bühnensolo „Wunderbar – es ist ja so“ als Mischung aus Kleinkunst, Stand up-Comedy und Zauberei durchs Land.

Tatsächlich ist es diese Mixtur, die Ingo Oschmann aus der immer endloser werdenden Reihe der fernseh- und sonst kaum tauglichen Kollegen aus dem Reich der oberflächlichen, aber dafür eben telegenen Witzigkeit heraushebt.

Das Mainzer Unterhaus-Publikum erlebte einen gut aufgelegten und auch ein bisschen aufgeregten Ingo Oschmann, schließlich freute er sich sichtlich, endlich mal vor Ort auftreten zu dürfen – und dann auch gleich im „großen Haus“, das er ordentlich voll gekriegt hatte.

Locker und charmant, grundsympathisch und frech erzählt der Ostwestfale Geschichten und Anekdötchen aus dem Alltag und seiner Jugend. Doch wie bei seinem ausgesprochenen Vorbild Jürgen von der Lippe, an den er gelegentlich vor allem mit der Mimik erinnert, ist es eher das wie als das was Oschmann hier erzählt.

Dabei setzt er letztendlich nur das um, was die Hamburger Kolumnistin und Satirikerin Fanny Müller mal über Literatur und Leben schrieb: „Wenn viele Autoren davor zurückschrecken, Geschichten aus dem richtigen Leben zu schreiben, dann liegt das nicht daran, dass sie nie was mitkriegen, sondern daran, dass bekanntermaßen das Leben Geschichten schreibt, die zu absurd sind, als dass sie einem abgekauft würden.“

Ob Thailandurlaub, die Plattitüde des kränkelnden Mannes oder die Retrospektive in die 80er mit ihren Mokassins, weißen Tennissocken und schultergepolsterten Jacketts – Oschmann hat Spaß am Erzählen und an der glucksenden Publikumsreaktion. Sein Gegenüber amüsierte sich ebenfalls sicht- und hörbar. Schließlich fand sich jeder irgendwo zwischen selbst aufgenommenen Audiocassetten und elterlichen Sprüchen („Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst…“) wieder.

Der Leim, der alles in Form bringt, ist vor allem die Fähigkeit des Kleinkünstlers, gemeinsam mit seinem Publikum über sich selbst zu lachen: Seine Hose, die provisorisch durch den Gürtel des Hotelbademantels gehalten wurde (der richtige war ihm kaputt gegangen) ermunterte in Mainz eine Zuschauerin, sich ihrer Koppel zu entledigen und eine Jazz-Dance-Einlage zeigte den properen Comedian in Leggins – dieses Unterhaus-Debüt war ein umjubeltes!

Ein leichtes Knarzen im Konzept, eine eher seichte Pointe – das gibt es selbst bei den Großen der Kleinkunst. Oschmanns Programm hingegen hat jenen leuchtend roten Faden, der Unterhaltung, Witz, Komik, Staunen und somit durchaus auch Anspruch miteinander verbindet, auch wenn Oschmann zu Beginn des Abends letzteren leugnet. In der Tat: „Wunderbar – es ist ja so“.

Informationen zu Ingo Oschmann, seinem Programm und Auftrittsterminen gibt es im Internet unter www.ingo-oschmann.de.

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