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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Otto für alle

MAINZ (16. September 2010). Otto. Selbst vor Gericht würde man bei diesem Friesen auf die Formalie der vollen Namensnennung verzichten. Aber weswegen sollte sich Waalkes auch verantworten müssen? Sein geistiger Anarchismus ist nicht strafbar, sondern kreativ, hat Otto mit seinem Klamauk doch ein ganz eigenes, maßgeschneidertes und vor allem nicht kopierbares Format geschaffen.

Die Mainzer Phönixhalle ist bis auf den letzten Platz besetzt. Das ist nicht verwunderlich. Und irgendwie doch: Otto und seine Shows sind ein Phänomen, kreisen sie doch seit Jahren immer wieder um die gleichen Gags, die nur leicht variiert werden. Zwar fehlen Susi Sorglos und Richter Ahrens, doch mit von der Partie sind Harry Hirsch, die aktuelle Englisch-Stunde („He has: der Hase – she has: der Skihase…“), wieder eine Menge Cover-Persiflagen und die intensive Einbindung des bis zum Siedepunkt amüsierten Publikums.

Ältere Semester, die mit Ottos Witzen aufgewachsen sind, schwelgen in seligen Erinnerungen an herrlich sinnfreie Zwerchfellerschütterungen und auch die Jüngeren begeistert das mittlerweile 62-jährige Nordlicht – denn mögen auch Lach- und andere Falten Ottos Antlitz zieren: Tief drinnen weigert sich der Schelm, erwachsener zu werden als sein jüngster Fan: ein Peter Pan in Lustig.

Während sein Kollege Helge Schneider sich in einem Interview dagegen verwehrte, als Clown wahrgenommen zu werden, will Otto genau das: Die Menschen zum Lachen bringen, immer wieder und mittlerweile über Jahrzehnte – das ist für ihn keine Hirn-, sondern eine Herzensangelegenheit. In einem Lied am Schluss bekennt der Friese denn auch, er sei „geboren um zu blödeln“. Und wenn man in das übergroße Konterfei auf der Leinwand blickt, spiegeln sich zwei Gefühle darin: zum einen unbändige Freude, dass das Ganze funktioniert –zum anderen ein noch immer waches Staunen darüber.

Otto spielt Otto, Otto ist Otto, von vorne wie von hinten – und dieses Palindrom ist Programm. Kann, ja will man ihn sich anders vorstellen? Herr Waalkes in einer ernsten Film- oder gar Theaterrolle? Das wäre nicht authentisch. Otto muss nichts Anderes wagen, sich anbiedern erst recht nicht. Es ist auch dieses Streben nach Originalität, das ihn auszeichnet – vor vielen anderen seiner Zunft.

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