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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Aus Ernst wird Spaß

MAINZ (4. Februar 2015). Schon allein die Schreibweise dieses Duos ist abenteuerlich: [ʽpro:c-dur] nennen sich die beiden Vollblutmusiker Timm Beckmann und Tobias Jannsen – der eine brilliert am Klavier, der andere an der E-Gitarre. Auf die Tonart C-Dur beschränken sie sich dabei nicht.

Und auch nicht auf den Stil: Ihre Bandbreite reicht von Barock zu Rock, von Mozart zu Metallica. Macht das Sinn? Egal: es macht Spaß! Und das spürt man in jeder Minute, jeder Note dieses gut zweistündigen Kabarettkonzerts.

Gut, vielleicht ist die Bühne des kleinen Unterhauses nicht so ganz der richtige Auftrittsort, denn es wird zuweilen doch arg laut – schade, wenn die geniale Musik den kecken Wortwitz überdeckt. Es gibt also ordentlich was auf die Ohren, doch daran hat man sich irgendwann gewöhnt und beobachtet schmunzelnd, wie selbst die betagte Dame zur Rechten buchstäblich taktvoll mitgroovt.

Es geht gemächlich los: Beckmann parliert mit dem c-moll-Solfeggeotto von Carl Philipp Emanuel Bach. Doch keine Angst, der Abend hat nichts Akademisches. Trotzdem erfährt man viel: Wissen und Halbwissen, Dichtung und Wahrheit. In einem Medley werden Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ mit AC/DC vermischt und der Pianist plaudert munter aus der Biografie des Komponisten. Hat der wirklich seine Honorar abends in der Kneipe auf den Kopf gehauen und am Morgen danach stets sein berühmtes Klavierstück gespielt?

Beide Musiker haben ihr Fach studiert und sind hörbar in ihrer Profession beheimatet: Während der Pianist die Rolle des galant-albernen Conférenciers übernimmt, gibt Jannsen den Sidekick und begeistert durch sein packendes Gitarrenspiel, das zuweilen an die Gelenkigkeit des Queen-Urgesteins Brian May erinnert. Ein Song der englischen Band erklingt natürlich auch: „Show must go on“ – neben „Final Countdown“ als Teil einer alternativen Europahymne, denn „Freude schöner Götterfunken“ sei bei der aktuellen Finanzlage nicht en vogue.

Überhaupt die Hymnen: die deutsche, die einst eine österreichische war, oder die französische mit ihrem martialischem Text, die englische, deren Melodie früher wiederum auf den deutschen Kaiser gesungen wurde. Über den Fußball und Andreas Bouranis „Auf uns“ geht es zu Helene Fischer: „Ich will ja nur, dass Sie wissen, was Sie da gut finden“, warnt Beckmann und rezitiert die Liedverse ohne Musik: „Nicht jeder muss texten können“, wird abgewiegelt: „Aber wer es nicht kann, sollte es auch lassen.“

Dann doch lieber Pharrell Williams: Der Popstar lässt sich offenbar von Mozart inspirieren und wie in einem tonalen Aquarell fließen Motive aus dem „Türkischen Marsch“ oder der „Zauberflöte“ in „Get lucky“ und „Happy“, um gleich darauf einen Salto zum Kindersong „If you’re happy and you know it“ zu schlagen – die darin ausgesprochene Aufforderung zu klatschen lässt sich das Publikum nicht zwei Mal sagen.

Eine hörenswerte Kostprobe gibt es im Internet unter https://www.youtube.com/watch?v=PdpcNAvOG-o .

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