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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Predigt eines Nihilisten

MAINZ (22. September 2016). Wer ins Unterhaus geht, der möchte unterhalten werden, sich amüsieren, Denkanstöße bekommen, sich vielleicht ja auch ein Stück weit die Leviten lesen lassen. Was er wahrscheinlich weniger einfordert, ist bewusste Desorientierung, das Unterminieren eigener Ansichten, das Aufbrechen bewährter Denkmuster. Dafür jedoch steht Andreas Rebers.

Und der Titel des Programms, das er jetzt im Unterhaus spielte, liest sich wie die Nebenwirkungen auf einem Beipackzettel: „Rebers muss man mögen“. Tatsächlich gibt es an diesem Abend bittere Medizin. Und das ohne Würfelzucker.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Andreas Rebers ist großartig, sein Vortrag bissig, seine Diktion packend, sein Humor bewusst grob, seine Verallgemeinerung köstlich brutal. Brillant nutzt der Satiriker Mittel und Ausdrucksform der Institutionen, die er vehement verdammt. Da er der Kirche nicht über den Weg traut, hat er seine eigene gegründet: die „Schlesischen Bitocken“, eine Gemeinschaft aus „Teilzeit-Moslems, Gelegenheitsjuden und Ein-Euro-Christen“.

Die Predigten von „Reverend Rebers“, in denen er pathetisch Bibelzitate anführt, lassen aufhorchen. Doch statt Erbauung reißt Rebers nieder. Nihilistisch wird der Bundespräsident zum Spitzenkabarettisten, die Bundeskanzlerin zur „Puffmutter“, die grüne Opposition zu „protestantischen Gouvernanten“. Bösartig ist hier das Mittel der Wahl, die Sprache bewusst verletzend.

Wer einen Wegweiser sucht, wird bewusst enttäuscht, denn Rebers selbst lehnt jegliche Bevormundung ab. Seine „Schlesischen Bitocken“ basieren nur auf dem Satz „Suche, was Menschen verbindet“, alles andere sei sekundär. Das allumfassende Hinterfragen verunsichert, irritiert und beginnt fast zu nerven – was buchstäblich beweist, das Rebers genau ins Schwarze trifft.

Natürlich gibt es an einem solchen Abend auch etwas zu lachen: Rebers‘ Nachbarin, Frau Hammer (geschiedene Sichel) gehört zum Stammpersonal der Auftritte. An ihr statuiert der Kabarettist das Exempel des Bürgers, der allen Wegweisern folgt, bis er seinen eigenen Pfad verloren hat. Das wird Andreas Rebers nicht passieren. Ein Anarchist ist der Künstler trotzdem nicht, sondern schwört aufs Grundgesetz, dem sich bitteschön alle hier Lebenden unterzuordnen hätten.

Einen Abend mit Andreas Rebers muss man in der Tat mögen. Doch wenn man sich die Mühe des Zuhörens macht, eröffnen sich neue Horizonte. Den Blick über den Tellerrand ermöglicht Rebers, indem er das Geschirr mit Verve an der Wand zerschmettert. Wer diesen Kollateralschaden akzeptiert, der mag dann auch Rebers.

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