Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Kleinkunst

Stimmungsaufheller

MAINZ – Richard Rogler hat sich getrennt. Und zwar von seinem Alter ego Camphausen, das ihn treu durch die letzten Programme begleitet hat. Doch bevor eine Bindung überstrapaziert wird, kappt man sie lieber, weshalb es im aktuellen Programm „Stimmung“ Rogler solo gibt. Und das besser denn je.

Der rote Faden, der sich durch den Abend zieht, ist dünn gesponnen – aber er trägt: Rogler ist nach all den Jahren „auf Politik“ runter von der Droge. Die scharfe Zunge trennte ihn zuletzt vom Rest der Menschheit, die gar die Straßenseite wechselte. Und so verspricht der Kabarettist einen Abend ohne die herrschende Klasse, woran er natürlich grandios scheitert. Denn einer wie Rogler braucht nur einmal am Tagesgeschehen zu schnüffeln und ist sofort wieder „drauf“.

Aktuell kehrt er „beim Griechen“ ein: „Ohne den hätte es die Grünen nicht gegeben“, blickt er auf strickende und säugende Ortsvereinsgründungen ebenda zurück. „Und jetzt ist er eingeschnappt, weil die Merkel wegen ein paar Milliarden rumzickt.“ Doch ob Grieche oder nicht: „Die Menschen gehen nicht mehr aus, sondern ernähren sich jetzt vor dem Fernseher mit Tiefkühlpizza und Cola.“ Nichts ist mehr so, wie es war: „Früher sind die Menschen in Krisenzeiten noch regelmäßig verhungert.“

Sportlich kommentiert Rogler mit einer packenden Mischung aus Jovialität, Flapsigkeit, Wortwitz und einer guten Portion Galle: „Wähler und Politiker passen einfach nicht zusammen.“ Man versuche es ja immer wieder, aber Rogler schlägt ein paar Trennungsjahre vor: „Wie in jeder guten, zerrütteten Ehe: Wir wählen zwar irgendwen und die regieren dann auch irgendein Volk – aber man lässt sich gegenseitig in Ruhe.“

Doch ganze ohne Parteien geht es ja auch nicht: „Treten Sie in die SPD ein, rät Rogler: „Da sind Sie bis Pfingsten Parteivorsitzender, auch wenn es ab Sommer dann wieder der Münte macht.“ Und nach Merkel, der „Mutti der Mitte“, Oettinger und Westerwelle ballert er munter in die jüngere Garde: „Unsere neue Familienministerin Schröder hat mit 14 die Namen der Regierung Kohl auswendig gelernt – da hätte mal das Jugendamt eingreifen müssen.“ Erziehung ist auch so ein Thema, das sich Rogler vorknöpft: Statt das Kleinkind für sein gekritzeltes Bild über Gebühr zu loben macht er es lieber auf die Buntstiftpreise aufmerksam, denn ansonsten „kommt so was wie Pofalla dabei heraus.“

Der Name des Programms „Stimmung“ wird also 1:1 umgesetzt. Und wenn Rogler zu Beginn des zweiten Teils ein bisschen die Zügel schleifen lässt, dann nur, um die Ruhe vor dem Sturm zu inszenieren, denn schnell geht’s schnurstracks in die Kirche, die pädophile Priester gerne befördere und versetze: „Fachwissen soll ja nicht verloren gehen.“ Zum Rücktrittsbesuch von Bischof Mixa ahnt Rogler realistisch: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, und legt den Kirchenaustritt nahe: „Wegen des Paragraphen 129a: Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.“

Termine unter http://www.richard-rogler.de.

zurück