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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Von Löwen und Sachsen

MAINZ (22. Mai 2015). Wer ist dieser Rick Kavanian eigentlich? Auf jeden Fall ein begnadeter Comedian, der das Publikum im Frankfurter Hof schnell auf seiner Seite hat – und zum ehrlichen Lachen bringt.

Die Frage, wie viele dieser Rick Kavanian ist, trifft es besser, denn der Komiker „leidet“ an einer veritablen Persönlichkeitsspaltung, die er zum Wohle des Publikums rasant auslebt: Da ist der Grieche Dimitri, da sind herrliche Sachsen, Bayern, Briten, englisch sprechende Südafrikaner – blitzschnell schlüpft Kavanian in seine sprachlichen Kostüme, mit denen er zum Teil haarsträubende Geschichten erzählt.

Ein Mann, ein Mikro: Das Publikum erlebt Stand-up-Comedy auf hohem Niveau. Ob das ganze letztendlich immer Sinn macht, ist nicht die Frage. Hauptsache, der Mann bringt zum Lachen. Einen roten Faden braucht Kavanian nicht, schließlich heißt sein Programm „Offroad“. Doch auch „abseits der Straße“ geht er seinen Weg – vielleicht auch gerade dort.

Zu Beginn klärt er zwei Missverständnisse auf: Er ist kein Grieche! Diesen Nimbus verdankt er der Rolle des Dimitri, die er in Bully Herbigs Winnetou-Persiflage „Der Schuh des Manitou“ spielte. Mit Herbig drehte er auch „(T)Raumschiff Surprise“, in der er die stark sächselnde Darth-Vader-Variante Jens Maul (und hier wiederum eine köstliche Nazi-Parodie) gab.

Damit und mit der „Bully-Parade“ hat er sich seine Fangemeinde erspielt, die die jeweiligen „Figuren“ zumindest akustisch an diesem Abend sattsam geboten bekommen. Doch Kavanian ist gebürtiger Münchner mit Eltern aus Rumänien und Familie aus Armenien – die „Persönlichkeitsspaltung“ wurde ihm also schon in die Wiege gelegt.

Dann die Überraschung: Das Markenzeichen, die schwarze Brille, ist nur noch ein Theaterutensil, denn der Künstler ließ sich die Augen lasern. In Dresden wurde er ohne Gestell jedoch mit dem Kollegen Bastian Pastewka verwechselt und so trägt Kavanian die Gläser zur Tarnung: „So weit geht die Verehrung dann doch nicht“, grinst der Mime.

Auch er ist glaubwürdig, weil er am besten sich selbst spielt. Er erzählt von der Augen-Operation, von seiner Hochzeitsreise, von der Familie; der Aberglaube der Großmutter, die Safari in Südafrika – alles bekommt durch den Vortrag im gepflegten Hochdeutsch und die Kolorierung durch Dialekte und Akzente eine fast schon plastische Kontur.

Rick Kavanian, der Schauspieler aus Till Schweigers „Keinohrhase“ und „Zweiohrküken“ und die Stimme aus Animationsfilmen wie „Cars“, „Happy Feet 2“ oder „Madagaskar 3“ versteht es, seine Geschichten so comichaft aufzuziehen, dass es egal ist, wo die Realität in die Fiktion der übertriebenen Comedy übergeht. Nach seiner Schilderung eines Honeymoon-Dinners in der tiefschwarzen Nacht Afrikas und der entsprechenden tierischen Geräuschkulisse nimmt man ihm fast ab, dass danach drei Löwen im Smoking auftauchen und sich als „Botswana Philharmonic Orchestra“ vorstellen.

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