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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Klassische Verführung

MAINZ – Salut „Salut Salon“! Ein neues Programm und zwei neue Gesichter: Anne von Twardowksi (Klavier) und Anne Christin Schwarz (Violoncello) haben sich zu Angelika Bachmann und Iris Siegfried (Violine), den Gründerinnen dieses femininen Klavierquartetts gefunden, das mit „Klassisch verführt“ erneut die Begeisterung ihres Unterhaus-Debüts entfacht. Geblieben ist „Salut Salon“ der freche Schwung und vor allem der Impetus ihres ersten Programms, denn das hieß „Herzenssache“.

Mit derselben guten Laune haben sie erneut die Partituren vom Barock bis in die Moderne quer gelesen und treiben mit der hehren Klassik ihre herzerfrischenden Eulenspiegeleien. Was für die altgedienten Kabarettisten Michael Quast und Philipp Mosetter gilt, die zum 3sat-Festival Goethes „Faust“ intelligent verulkten, spürt man auch bei den vier zartbesaiteten Damen: Um sich über klassische Musik gekonnt seinen pfiffigen Reim machen zu können und zu dürfen, muss man diese verstehen – und vor allem lieben.

Eben dieses musikalische Augenzwinkern zeichnet das Bühnentreiben von „Salut Salon“ aus. Keine Note hat hier Pause. Im Staccato und mit Akzent pflegen die vier Damen das Anliegen der einstigen Salonmusik, nämlich Zerstreuung mit Anspruch. Das geschieht mit hinreißenden Arrangements und liebevollen Einfällen: Handpuppe Oskar darf mit der Cellistin auf ihrem Instrument ein Duett spielen und Iris Siegfried bei Beethovens „Frühlingssonate“ auf dem Metallophon begleiten.

Resonanzbodenständig spielen hier, eben so, wie es im klassischen Klavierquartett sein soll, vier eigene Persönlichkeiten zusammen und beweisen grandios ihr Talent zum musikalischen Multitasking: Ob gemeinsames Fiedeln auf ein und demselben Instrument, das Bearbeiten der Saiten mit zwei Bögen, oder das Spiel auf der Geige der anderen – fast schon artistisch und mit aparter Choreographie erklingen hier Lieder mit und ohne Worte.

Kräftig wirbeln die vier Grazien mit keckem Bogenstrich E- und U-Musik kräftig durcheinander – und plötzlich werden viele Gemeinsamkeiten sichtbar. Am Beispiel des bekannten französischen Kinderliedes vom „Frère Jacques“, dem „Bruder Jakob“ ziehen die vier Streicherinnen ihre Bögen durch die Musikgeschichte und lassen das Lied mal als „Air“ von Bach, mal als Schuberts Forellenquintett oder Mozarts „Zauberflöte“ erklingen und bei Mussorgskys „Küken in der Eierschale“ zwitschert’s aufgeregt.

Auch für „Klassisch verführt“ gilt also: Das Spiel von „Salut Salon“ ist auf legere Weise virtuos und der Witz hat bei allem Spaß stets hohes Niveau. Kurz: Das Publikum erlebt hier die hohe Kunst der Unterhaltung auf besonders klangvolle Weise und beherbergt gerne den geistigen Ohrwurm, den ihm das Quartett so galant in den Gehörgang gesetzt hat. An diesen Abend wird man sich wieder lange erinnern.

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