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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Thema für die Ewigkeit

MAINZ – Offenbar wird man den Stein des Weisen schneller finden, als dass Kabarettisten und Comedians die Beziehung zwischen Mann und Frau für langweilig erachten: „Auf der Suche nach dem verlorenen Mann“ heißt das aktuelle Programm von Stephan Bauer, mit dem er munter an der thematischen Kerbe, die er und viele Kollegen vor und mit ihm in die Bretter der deutschen Kleinkunstbühne gehauen haben, weiterschmirgelt.

Nun ist das Tiefgründige kaum das Fundament, auf dem diese Revue aus geistreichem Witz und klischeebelasteten Kalauern fußt. Doch scheint dies auch gar nicht der bäuerliche Anspruch zu sein: Er will unterhalten – und das gelingt ihm, gemessen am ständigen Gegluckse im Publikum, recht anständig.

Sein Niveau zieht der Abend letztendlich aus der Tatsache, dass Bauer nicht die Stadien füllende Geste des Silberrückens, der verbal auf die Gefährtin eindrischt, nutzt, sondern den Spieß mit einer erfrischenden Selbstironie umdreht: Zwar ist er als Mann der Leidtragende sämtlicher Entwicklungen rund um das Mysterium Frau, doch kommentiert er dies mit einem gepflegt staubtrockenen Phlegma, dass man überrascht ist, wie er seine Pointen aus der Hinterhand präsentiert.

Unglücklich verliebt in eine „Blondine mit brünetter Vergangenheit“ und getrennt von der Ex hat Stephan Bauer seinen Platz als Mann gefunden: „Wenn eine Frau mich demütigt, werde ich extrem zutraulich.“ Dermaßen streichelzart witzelt sich der Kabarettist durch sein Programm, mitten durch den Rollentausch („Männer, die heute zuhause was zu sagen haben, sind meist alleinstehend…“) hin zur ernüchternden Erkenntnis, dass es jetzt die Frau ist, die für die Immobilie die Kredite beantragt und die Banker sich beschweren: „Och nö, jetzt wird wieder das Kleingedruckte gelesen…“

Dabei nutzt Bauer die mannigfaltigen Möglichkeiten abzuschweifen, um immer wieder zum Dilemma seines mangelnden Selbstvertrauens – „Etwa so groß wie das eines Vogels auf dem Frankfurter Flughafen…“ – zu kommen: Als Kind hatte er nur zwei Phantasiefreunde, die ihn nie mitspielen ließen und um sich zu stählen putzt er sich die Zähne nur noch mit extra harter Bürste.

Gekonnt überzeichnet ist diese „Suche nach dem verlorenen Mann“ allerdings auch ein Eingeständnis des gescheiterten Patriacharts: „Wenn ich mir die Generation meines Vaters so angucke, frage ich mich, wie die Jahrhunderte lang die Frau unterdrücken konnten.“ Fazit: Auch wenn der verlorene Mann nicht gefunden wird, können er und seine Frau sich an diesem Abend gediegen amüsieren.

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