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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Der Mann hat Recht

MAINZ (17. Oktober 2011). Ein Flügel, zwei Gitarren, ein Mann. Tobias Mann. Und er ist durch den Wind. Genau so heißt sein aktuelles Programm, mit dem er jetzt – mal wieder – im Unterhaus für Furore sorgt. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn er fühlt sich in letzter Zeit so hibbelig: „Dabei bin ich doch eigentlich eher ein ruhiger Typ – oder kommt das anders rüber?“ An diesem Abend auf jeden Fall. Schließlich ist der Mann vollkommen durch den Wind.

Die Pointendichte ist hoch und bei aller Spontanität geschickt konstruiert – spiegelbildlich beklagt Mann die vielen Nachrichten, die als News auf ihn einstürzen. Da fällt es nicht schwer, seinen Verschwörungstheorien Glauben zu schenken: Hamster und Eichhörnchen trachten nach der Weltherrschaft und die Isländer haben gar keine Vulkane, sondern verbrennen nur Altreifen in großem Stil. Wo früher Problembären für Angst und Schrecken sorgen, ist es heute gerade mal entlaufenes Milchvieh: „Sind wir weicher geworden oder die Kühe härter?“

Tobias Mann beherrscht es wie kaum ein anderer im Metier, die Genre-Grenzen zu sprengen, Comedy und Kabarett versöhnlich miteinander zu verschmelzen. Wo immer über die Unterschiede diskutiert wird, sollte man Mann hören: Mit juveniler Frechheit, gewinnendem Charme und intelligentem Witz kann er jedes Thema angehen, denn er schaut und hört genauer hin: Die frivole „Nachwuchsförderung“ eines Herrn von Boetticher als Rücktrittsgrund? „Ich fahre doch auch nicht innerhalb der Geschwindigkeitsgrenze bei Gelb über die Ampel und gebe den Lappen ab um Schaden vom Verkehr abzuwenden?“

Manns politisches Lieblingsziel aber ist die FDP, von deren einstiger Existenz er seinem Sohn später vorsingen wird: eine Partei, die sich zu Schluss in „Sonstige“ umbenannt hat, um noch Prozente zu kriegen, deren Protagonisten selbst im 3D-Fernsehen kein Profil mehr zeigten und die Personal hatten, deren politisches Gewicht man bei Brüderle nur noch in Öchslegraden habe messen können. Da lobt sich Mann die Piratenpartei, deren Konzeptlosigkeit für ihn auch Chancen bietet: „Ein Pirat erkennt vielleicht auf Anhieb, dass es gar nicht so gut ist, wenn man mehr ausgibt als man einnimmt.“

Im aktuellen Programm wird mehr gesprochen als gesungen, wobei Mann im musikalischen Teil zuweilen ein bisschen laut und aggressiv intoniert. Doch schnell versöhnt das schelmische Necken, wenn er als Kasper über die Bühne springt. Mann ist ehrlich, authentisch und gibt den gewitzten Hofnarren, der den Mächtigen den Spiegel vorhält, überzeugend.

Das gedruckte Parteikürzel hinter dem Namen ist in seinen Augen eher Orientierungshilfe für den Politiker („Was? Ich bin in der CSU? Wie unangenehm…“) und die gegenseitige Schadenfreude der politischen Gegner erinnert ihn an den Bewohner eines Doppelhauses, der genüsslich zusieht, wie es beim Nachbarn brennt. Gerade wenn man durch den Wind ist, sollte man diesem Mann zuhören.

Mehr Informationen zu Tobias Mann unter http://www.tobiasmann.de.

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