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Jan-Geert Wolff

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Und der Deutsche Kleinkunstpreis geht an…

MAINZ (4. November 2014). Wer glaubt, die Jury berate bei der Vergabe des Deutschen Kleinkunstpreises nur über eine überschaubare Zahl an Bühnenkünstlern und damit auch nur über eine Nische der darstellenden Kunst, der irrt: Rund 50 Namen diskutierte das 20-köpfige Fachgremium aus Deutschland, Österreich und der Schweiz!

Gerne würde man auch mal Zweitplatzierte oder andere nennen, die ja immerhin für den wichtigsten deutschen Kabarettpreis nominiert wurden – doch bis auf die Namen der Preisträger bleibt alles, was die Jury berät, geheim.

Vorhang auf also für: Christoph Sieber (Kabarett), Stefan Stoppok (Lied), Matthias Egersdörfer (Kleinkunst), Martin Zingsheim (Förderpreis) und Gerd Dudenhöffer (Ehrenpreis). Alle Preisträger waren hocherfreut – über die Ehrung und das Preisgeld in Höhe von jeweils 5.000 Euro. Den Deutschen Kleinkunstpreis, der im kommenden Jahr zum 43. Mal verliehen wird, erhielten bereits herausragende Künstler – darunter Lars Reichow, Tobias Mann oder Dieter Nuhr, dessen islamkritische Äußerungen von der Bühne aus jüngst heiß diskutiert wurden.

Die Jurybegründungen im Einzelnen: Christoph Sieber ist ein „Künstler, der sich von der Pantomime über die kulturelle Zeitkritik zum politischen Kabarettisten entwickelt hat. In seinen Programmen gibt er der jüngeren Generation eine Stimme. Mit Witz und Verstand, dabei immer charmant, in seiner Haltung aber bleibt er stets unerbittlich.“

In der Sparte Lied ehrt man einen „Singer/Songwriter, der in seinen Liedern die deutsche Sprache mit dem Blues verbindet. Stefan Stoppok – ein Interpret und Rockmusiker, der in seinen Liedern die poetische Seite des Alltags vermittelt. Seine politischen Statements trägt er mit Witz und Verve vor.“

Matthias Egersdörfer begeisterte die Jury, weil er „die Welt mit grantigem Blick betrachtet und mit anarchischer Urigkeit kommentiert; ein Berserker auf der Bühne überlässt er das Lachen dem Publikum, das er ebenso von Herzen liebt wie beschimpft. Im Spannungsfeld aus rustikaler Bodenständigkeit und pointiertem Erzählen entsteht Kunst.“

Den Förderpreis der Stadt Mainz erhält mit Martin Zingsheim ein „Musikkabarettist, der mit Ironie und Spott auf Gott und die Welt sieht. Dabei wirkt er auf Anhieb geradezu harmlos, um im nächsten Moment mit ausgesuchten Pointen zu überraschen. Mit grandiosem Klavierspiel illustriert er seine raffinierten Texte: mal heiter bis böse, mal lyrisch bis nachdenklich.“

Und als Grandseigneur darf sich schließlich Gerd Dudenhöffer über den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz freuen: „Ein Künstler, der bereits vor Jahrzehnten die realsatirische Figur ,Heinz Beckerʽ schuf, einen biederen Zeitgenossen, der dem Spießbürger in uns allen meisterlich den Spiegel vorhält. Mit ungerührt dahergeplauderten Boshaftigkeiten provoziert er sein Publikum aufs Äußerste, mit lyrischen Tönen versöhnt er es wieder.“

Die Verleihung des 43. Deutschen Kleinkunstpreises findet am 22. Februar 2015 im Mainzer Forum-Theater Unterhaus statt.

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