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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Stolz auf den eigenen Bauch

MAINZ – Viele Kabarettisten spielen für die Titel ihrer Programme elegant mit Worten, andere setzen bewusst auf den platten Witz als Lockmittel und manche stimmen schon auf dem Plakat nachdenklich. Dann gibt es auch Künstler, deren Satzbau schon vor dem Beginn der Vorstellung für Schmunzeln und erwartungsfrohes Zungenschnalzen sorgt.

„Ein Bauch ist schon mal ein Ansatz“ heißt das aktuelle, zweite Soloprogramm des Krefelder „Kom(m)ödianten“ Volker Diefes, mit dem er derzeit im Unterhaus zu Gast ist. Doch ach: Der Titel hält nicht, was er verspricht! Statt den Abend über mit solch sprachlichen Geistesblitzen zu brillieren, hüllt der Kabarettist die Bühne in seichtes Dunkel. Wohl träumte er als Kind schon von einer Hollywood-Karriere – allein sein Bauch hätte ihm im Wege gestanden. Und um den dreht sich denn auch der Abend – zumindest eben in Ansätzen.

Denn das Programm erweist sich als ein krude zusammengezimmertes Gedankenkonglomerat, das sich zuweilen zieht wie Kaugummi. Über weite Strecken herrscht auch im Publikum Stille, das aufflackernde Gekicher zeugt eher von unbedingtem Willen zum Amüsement.

„Für die Ü 30-Party fehlen mir 20 Zentimeter“, kalauert sich Diefes sicher am Anspruch vorbei und besingt zum Playback die „Mittelmäßigkeit“. Selbstkritisches Eingeständnis? Ein anderes Lied lobt als rammsteinerne Hymne das Grillgut, wozu der stämmige Krefelder seinen nackten Bauch Richtung Publikum stemmt. Er selbst schwärmt hingegen leidenschaftlich von Rubensfiguren gegenüber den heute überall plakatierten „hässlichen Röntgenbildern“. Überhaupt ist ihm alles viel zu sexy, verleite einen die Werbung doch stets, die eigene Gattin mit den Protagonisten der nächtlichen Tele-Nackedeis zu vergleichen. Solche Klischees liegen denn doch zu schwer im Magen.

Und so paddelt Volker Diefes größtenteils hektisch an der Oberfläche herum, ergeht sich in Wiederholungen und bietet letztendlich nur Entspannungsübungen für die Gesichtsmuskulatur. Kurz vor der Pause gelingt ihm ein kleiner Kunstgriff: Er steht einen langen Augenblick stumm und regungslos auf der Bühne, um das vorangegangene Zitat – „Der Sinn des Lebens ist, die Langeweile auszuhalten.“ – zu illustrieren. Doch eigentlich hätte es diese Geste nicht gebraucht, denn käme „Ein Bauch ist schon mal ein Ansatz“ im Fernsehen, würde man rasch wegzappen: Irgendwo fände sich bestimmt spannende Werbung.

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