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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Wenn die Ohren Augen machen

MAINZ (25. Januar 2012). Ein beruhigendes Phänomen in einer schnelllebigen Zeit ist, dass alles irgendwann wiederkommt: Wicki, die Muppets, selbst Vorabendserien wie „Catweazle“ gibt es jetzt auf DVD. Und auch das gute alte Hörspiel erlebt mit der CD oder via Download frisch aus dem Netz seine Renaissance.

Der heute etwa 40-Jährige wird sich dabei noch gut an Kassetten und Bandsalat mit „Hui Buh“ oder eben den „???“ erinnern: Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews (Recherche und Archiv), jene amerikanischen Kalle Blomquists, die in Rocky Beach auf Schurkenjagd gehen.

Die Geschichten der berühmten „???“, die Robert Arthur in den 1960er Jahren ersann und die nach den letzten Folgen aus den USA schon lange von deutschsprachigen Autoren fortgeschrieben werden, mögen für die einen nur sentimentale Erinnerung sein – für andere bedeuten sie Inspiration pur: Das sechsköpfige Vollplaybacktheater aus Wuppertal, das auch schon Hörspiele von „John Sinclair“ oder „TKKG“ auf die Bühne gebracht hat, spielt zum O-Ton vom Band Fälle der Nachwuchsdetektive nach.

Im ausverkauften Frankfurter Hof stand jetzt „Die drei ??? und die schwarze Katze“ auf dem Programm, 1970 von William Arden geschrieben und als viertes Hörspiel 1979 auf den deutschen Markt gekommen: In einem kleinen Wanderzirkus wittern Peter, Bob und Justus einen Fall, denn ein Finsterling klaut eine hässliche Stoffkatze und sucht per Annonce weitere Samtpfoten. Doch was steckt hinter der Unglücksserie auf dem Rummelplatz? Und wer ist der tätowierte Unbekannte? Auch diese Episode hat die Wuppertaler wieder zu einem unterhaltsamen Theaterabend angeregt, an dem das Hör- zum Schauspiel wird und so mancher im Auditorium ein anrührendes Déjà-vu erlebt.

Auf der Bühne tummeln sich neben den drei Detektiven unter anderem Khan der Kraftmensch, „der einzigartige Gabbo“, Iwan, ein Löwe und natürlich Kommissar Reynolds, dem Horst Frank einst so grandios seine Stimme lieh. Mit ansteckendem Spaß am Spiel mit Kostüm, Kulisse und Requisite gerät dem Ensemble eine rasante Reminiszenz ans Genre: Synchron zur akustischen Inszenierung mimen die Darsteller rund 20 Rollen und sorgen dank ihres Hangs zu Slapstick und optischem Nonsens für ein abwechslungsreiches Szenario, das oft nur am roten Faden der „???“-Story baumelt.

Sequenzen und Zitate aus anderen Filmen, Kultserien oder „???“-Folgen sowie Songs, Einspieler und Videomontagen bauen das gerade mal 45-minütige Original-Hörspiel dabei trotz mancher Längen kurzweilig zur abendfüllenden Show aus. Erinnert an das Theater im Theater eines Shakespeare und den Aberwitz von Monty Python erlebt man zwei Stunden lang eine prall gefüllte Collage, ein witziges Patchwork-Theater, das von den sechs Erzkomödianten stimmlos, aber wortgewaltig vorgetragen wird. Da machen die Ohren Augen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.vollplaybacktheater.de.

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