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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Tonjuwelen aus dem Wortschatz

MAINZ (8. Juni 2010). Seit 25 Jahren ist Willy Astor jetzt schon auf den deutschsprachigen Kleinkunstbühnen unterwegs. Sein edles Ziel ist es, die Menschen zum Lachen zu bringen – nicht mit Spott oder Satire, galligem Humor oder plattem Scherz, sondern durch geistvollen Sprachwitz, der landauf landab Seinesgleichen suchen kann.

Mit Worten, Wörtern, Sätzen und Sentenzen wirbelt der Bajuware herum wie ein begnadeter Küchenchef mit seinen Kasserollen. Doch Astor ist mehr Lichter als Lafer: Sympathisch bodenständig steht er da auf der Bühne – seine „Waffen“ sind die Musik und eine spitze Zunge, die er elegant wie ein Florett über die Lachmuskeln seines dankbaren Publikums streicheln lässt.

Mitzuschreiben und platterdings zu reproduzieren brächte nicht viel, denn es gilt das gesprochene Wort, das seinen Zauber verlöre, bannte man es auf Papier. Zu jedem Thema fallen Astor Wortspiele ein: Da sitzt der Papst auf dem Heiligen Stuhl, obwohl es ja eigentlich Peters Platz ist. Erreichbar ist der Papa mobil, seine Mail-Adresse lautet Urbi@orbi und er spielt in der Seniorenband „Sixtinische Kapelle“.

Die „Staben des Buches“ sind meisterlich gesetzt. Und sie werden verstanden, denn wenn Astor an den Biografien von Boris Becker & Co horcht, hört er ein leises Wimmern: „Die Leiden der jungen Wörter…“ Hier jedoch dürfen sie sich wohl fühlen, werden liebevoll ausgefeilt und glattgeschmirgelt, um im „Humor direkt vom Erzeuger“ zu glänzen.

Mal ist der Sprachwitz naheliegend, mal meilenweit an den Haaren herbeigezogen und damit umso lustiger. Kalauer und Geist gehen bei Astor eine harmonische Allianz ein, so dass die Pointen stets charmant passgenau sitzen – wenn man sie denn alle mitbekommt: Gelegentlich bedarf es der erklärenden Nachhilfe des Komikers und man vergisst das Lachen vor lauter Staunen, wie man solche Geistesblitze derart kreativ ableiten kann.

Er bringt 141 Kinoklassiker in knapp fünf Minuten unter, verbiegt Anglizismen, sortiert Silben, nutzt den Variantenreichtum deutscher Dialekte und erschafft mit dem Skalpell der Semantik neue Wörter – keine Frage: Willy Astor ist bis über beide Ohren sprachverliebt.

Doch hält er zum Glück nichts von stilistischer Monogamie: Seine zweite Leidenschaft ist die Musik und seine Saitensprünge kommen in sinnlichen Gitarrensoli oder geistigen G’stanzln daher, in denen der Münchner dann seine verbalen Delikatessen appetitlich verpackt. Und daran kann man sich auch nach 25 Jahren nicht satt hören.

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