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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Zirkus mit Pferd und anderem Getier

MAINZ (8. Januar 2015). Schon als Jim Henson und Frank Oz in den 1970er Jahren ihre legendäre Muppet-Show konzipierten, war klar, dass das neckische Figurenspiel um Kermit und Miss Piggy ein weit größeres Publikum als das kindliche ansprechen sollte.

Die Faszination der Puppe ist auch in der Erwachsenenwelt ungebrochen, was nicht nur Kabarettisten wie Michael Hatzius mit seiner Echse oder den Bauchredner Sascha Grammel freut. Selbst als Tommy Krappweis für den Kika Bernd das Brot und seine Freunde erfand, entstand aufgrund der hintergründigen Komik ein Kinderprogramm vor allem für Ältere.

Genau hier setzt die „Pfoten hoch“ an: Ein Hund namens Wiwaldi und viele weitere Handpuppen, bespielt von Carsten Haffke und Martin Reinl, stehen im Rampenlicht: der alte Zirkusklepper Horst Pferdinand, Pitbull Purzel, singende Hamster, coole Kakerlaken und prominente Modedesigner – sämtlich liebevoll gearbeitet und schon optisch pure Unterhaltung.

Das Publikum erlebt im Frankfurter Hof also eine kurzweilige Nummernrevue, die einen von der Machart her in die kindliche Vergangenheit katapultiert und durch den hohen Anspruch des Klamauks in der Gegenwart hält. Unterstützt werden die Puppenspieler, die aus rund 50 bunten „Charakteren“ auswählen können, von Bernd Budden am Klavier und Betty Laminga.

Die Moderatorin braucht es vor allem, weil es sich an diesem Abend um pure Improvisation handelt: Das Publikum darf Berufe, Szenen oder Handlungen bestimmen, die die Puppen – mal eine Fledermaus, mal eine Katze, mal ein Monster – dann entsprechend umsetzen müssen. Zwar ist auch hier das unausweichliche Spiel einer Szene in verschiedenen Genres offenbar unabkömmlich, doch geht der Abend weit über das bisherige Improvisationstheater hinaus.

Da muss ein Sketch nacheinander sämtliche Buchstaben des Alphabets in der richtigen Reihenfolge durchgehen oder die Mimen dürfen nur eine bestimmte Anzahl an Worten verwenden. Und herrlich, wie ein Pärchen aus dem Publikum sein Kennenlernen nachspielen lässt: Mit beachtlichem Körpereinsatz recken Haffke und Reinl ihre kostümierten Arme in die Höhe und spielen im Fokus einer Videokamera, die die Szene auf Bildschirme projiziert. Dabei haben sie die Story im Auge, reagieren originell auf verordnete Wendungen und gestalten das Ganze auch noch akustisch – Hut ab!

Bei aller Liebe zur Zugabe jedoch wurde man am Schluss allerdings doch leicht nervös – schließlich musste man sich sputen, um am selben Abend in der ARD die neue Staffel der „Wiwaldi-Show“ zu sehen, in der der pelzige Gastgeber Sabine Heinrich und Bernhard Hoëcker empfing. Weitere Sendungen folgen am 15. und 22. Januar, am 21. und 28. Mai sowie am 4. Juni jeweils um 23.30 Uhr.

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