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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Vielversprechendes Debüt

MAINZ (3. November 2017). In der Musikstadt Mainz hat sich ein neuer Klangkörper gegründet: das Vocalconsort Mainz. Nun debütierten die sechs Stimmen – Annika Wehrle (Sopran), Judith Kissel (Mezzosopran), Jessica Quinlan (Alt), Andreas Klopp (Tenor), Niklas Wawrzyniak (Bariton) und Carsten Siering (Bass) – in der Reihe „Barock in St. Ignaz“ gemeinsam mit dem Duo „hochzeitsforte“ (Kissel und Wehrle) sowie Katrin Schild (Querflöte) und Makoto Mikawa (Orgel).

Was das Vocalconsort Mainz hier vorstellte, ließ aufhorchen und machte neugierig: Musiziert wurden die Motetten „Schaffe in mir Gott, ein reines Herz“ und „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Andreas Hammerschmidt, „Unser Leben ist ein Schatten“ von Johann Bach, „Adoramus Te“ von Claudio Monteverdi, „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ von Heinrich Schütz sowie „Tristis est anima mea“ von Carlo Gesualdo da Venosa – ein anspruchsvolles Programm, das das junge Ensemble verständig und stilsicher interpretierte.

Alle Stimmen wirkten bereits in verschiedenen Konstellationen zusammen und bilden ein äußerst homogenes Ganzes. Sicher in Diktion und Intonation verstanden es die sechs Künstler, die Besonderheiten jeder Komposition herauszuarbeiten: den Modulationsreichtum bei Gesualdo, die bilderreiche Tonsprache Bachs (einem Onkel des Thomaskantors), den jubelnden und hemiolen-seligen Psalmton bei Schütz. Man darf gespannt sein, womit das Vocalconsort Mainz hoffentlich bald sein Publikum wieder derart erfreut – das erste Konzert war vielversprechend.

Über allem strahlte in diesem (dennoch ausgeglichen besetzten) Solistenensemble der Sopran von Annika Wehrle, dem eine gradlinige Tragfähigkeit eigen ist, die staunen lässt: Kein Affekt, kein betontes Vibrato, sondern purer Melodienfluss einer knabenhaft-silbrigen Frauenstimme, die sich im Duo wunderbar mit dem dunkleren Mezzosopran ihrer Bühnenpartnerin Judith Kissel mischt. Man hörte Werke von Monteverdi, Henry Purcell und Georg Friedrich Händel im überzeugenden Dialog. Beide Sängerinnen wurden gemeinsam in der Chorakademie der Johannes-Gutenberg-Universität ausgebildet, was dokumentiert, wie sinnvoll diese grandiose Einrichtung ist, in der talentierte Stimmen in Gruppen- und Einzelunterricht ihre Kenntnisse im Ensemblegesang vertiefen und erweitern.

Von Händel stammte schließlich der kammermusikalische Part der Soiree: die Hallenser Sonate Nr. 1 in a-Moll. Ursprünglich für Traversflöte und Basso continuo komponiert war dieses Werk nun mit Querflöte und Orgel zu hören, was der Musik spannende, neue Facetten schenkte, denn die Flötenstimme Katrin Schilds erinnerte derart untermalt (Makoto Mikawa hatte zuvor auch das Duo „hochzeitsforte“ begleitet) eindrücklich an den Klang einer Singstimme, was den vokalen Teil des Konzerts treffend ergänzte.

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