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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Anmutige Saitensprünge

MAINZ (5. Juli 2010). Das Amadeus Guitar Duo trägt zwar den Vornamen Mozarts im Titel, pflegt aber ein sehr viel breiteres Repertoire als „nur“ Klassisches: Bearbeitungen von Kompositionen aus allen Epochen hatten Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff im Gepäck, aus dem sie für den Mainzer Musiksommer ein spannendes Programm zusammenstellten.

Da gerade Gitarristen durchaus zu kreativen Saitensprüngen neigen, suchen sie sich mit bestimmten Projekten passende Partner: Für die „Guitar Gala Night“ in St. Antonius hatten Kavanagh und Kirchhoff mit Christian Gruber und Peter Maklar ein weiteres Duo gewinnen können, mit dem sie zusammen nicht nur rechnerisch ein formidables Quartett abgaben. Zwei Stücke spielte man in dieser Besetzung: zu Beginn das morgenländisch angehauchte „Oyun“ von Carlo Domeniconi (*1947) und als Abschluss den ersten Satz aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 6 (BWV 1051) von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Fast 200 Jahre liegen zwischen Todes- und Geburtstag dieser beiden Komponisten – zu Bachs Zeiten war die Gitarre noch nicht zu hören. Und doch erklingen heute gerade auf diesem Instrument Bearbeitungen barocker Klänge in einem neuen Klanggewand. Das Erhabene der Laute fehlt dem populären Saiteninstrument; dafür eröffnet sich einem mit ihm die weite Welt der rustikalen Folklore, deren unendliche Klangfarbenfülle der Gitarrenmusik einen Reiz verleiht, der auch in zeitgenössischen Werken tief beeindruckt.

Neben Bach und der Chaconne G-Dur (HWV 435) von Georg Friedrich Händel (1985-1759), gespielt vom Amadeus Guitar Duo, widmeten sich die beiden Künstler im ersten Teil einer Serenade von André Jolivet (1905-1974), in deren vier Sätzen sie Klänge wie in einem modulierenden Kaleidoskop erzeugten; vor allem in den getragenen Partien konnte man die perlenden Tropfen der Klangfarben ineinander verlaufen hören, während in den schnellen Sätzen das sanfte Zwiegespräch einer wilden Kabbelei zu weichen schien.

Gerade die Gitarre vermag es, jähe Stimmungswechsel zu erzeugen: Dale Kavanaghs „Tales of Greiffenberg“, eine ihrer jüngsten Kompositionen, wirkt wie eine großflächige Leinwand, auf der die Künstlerin in einem musizierten „stream of consciousness“ kleine Skizzen anfertigt, die sie mit kräftiger Schraffur, feinem Strich, zartem Tupfen und eleganter Linie zu einem stimmigen Klangbild zusammenführt. Deutlich folkloristischere Züge hatten hingegen die Bearbeitungen von Isaac Albéniz (1860-1909), dessen idyllische Landschaftsportraits das Duo Gruber & Maklar mit intensiver musikalischer Kommunikation nachzeichnete.

SWR 2 sendet einen Konzertmitschnitt am 25. September 2010 ab 20.03 Uhr.

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