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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Le musique pour le musique

MAINZ (20. August 2010). Kaum hat der meteorologische Sommer seinen Kurzurlaub beendet und kommt mit willkommener Wärme zurück an den Rhein, geht in Mainz der klangvolle zu Ende: Mit einem anrührenden Finale beendete der Mainzer Musiksommer die Saison 2010 und ließ im Konzert mit Arianna Savall und Petter Udland Johansen zum Ausklang wohltuend leise Töne anschlagen.

Savall und Johansen – die Spanierin spielt historische Harfe, der Norweger Mandoline und Hardingfele, eine Fiedel, die neben den gestrichenen vier Saiten noch zwei Resonanzsaiten besitzt, die unter dem Griffbrett verlaufen und durch separate Kanäle im Steg geführt werden. Und beide Künstler singen – mit so wunderbarer Sopran- und Tenorstimme, dass man sich von ihnen Wiegenlieder summen lassen möchte, denen man auch noch schlummernd lauscht.

Der konzertante Abend in der Augustinerkirche trug den Titel „Chants du Sud et du Nord“ – Klänge aus dem Mittelmeerraum und Skandinavien. Dazwischen: der Ozean, auf dem die Schiffe nicht nur Güter, sondern auch Seeleute und Reisende mit all ihren Gefühlen von Liebe, Abschied, Hoffnung und Sehnsucht transportieren. In Madrigalen und Stücken des 16. und 17. Jahrhunderts aus Spanien und Italien, darunter das flirrend modulierende „Arpeggiata“ von Giovanni Girolamo Kapsberger oder das rhythmische „Yo me soy la morenica“ eines unbekannten Meisters, nahmen Arianna Savall und Petter Udland Johansen ihr Publikum mit auf jene Reise von Süden nach Norden und retour.

Leider begriff dabei ein Teil der Zuhörer das Konzert nicht als meditatives Ganzes und drückte seine Begeisterung über das Gehörte gerade in den besonders zart auslaufenden Schlüssen durch lautes Klatschen aus – eine Geste, die die Künstler anfangs mit sichtbarer Dankbarkeit vermissten und dann doch nolens volens entgegennehmen mussten.

Gleichviel: Der zweite Teil des Konzerts hieß „Peiwoh“ und widmete sich der taoistischen Legende, nach der der gleichnamige König der Harfenspieler als einziger ein bestimmtes Instrument zum Klingen brachte, weil er mit seinem Spiel nicht sich selbst, sondern der Musik huldigte.

Ihm taten es die Künstler des Abends gleich: Nahezu spürbar zogen sie sich als Person zurück und überließen dem Klang das Feld, womit sie wunderbare Momente schufen. Rein instrumental wie die gälische Volksweise „Fairy-Dance“, das von Petter Udland Johansen blitzsauber intonierte schottische „The water is wide“ oder die von Arianna Savall auf Tonsilben begleiteten Klänge der eigens arrangierten „Suite Celta“ – hier wurde die Folklore aller touristischen Attitüde und kommerziellen Kitsches entledigt. Und diese Essenz mundete so vollkommen wie ein sämiges Guinness.

SWR2 sendet einen Konzertmitschnitt am 8. Januar 2010 um 20.03 Uhr.

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