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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Beruhigende Klänge

KOBLENZ (8. Juli 2010). Mit einem Konzert des dänischen Ensembles Ars Nova Copenhagen eröffnete RheinVokal jetzt das Festival am Mittelrhein 2010. Von SWR2 live im Radio übertragen setzte dieser Auftritt nicht nur den Maßstab der Saison, sondern auch die Tradition fort, einmal mehr die weltweit besten Vokalkünstler nach Rheinland-Pfalz zu holen.

Draußen flirrt noch die abendliche Sommerhitze, doch in der Basilika St. Kastor fällt die gefühlte Temperatur mit dem ersten Ton erfrischend ab und wohlige Gänsehaut überzieht die Ohrmuschel: Eine Sopranstimme erhebt sich zum „Kyrie Leroy“ von John Taverner und strömt alsbald in herrliche Polyphonie. Das Ganze wiederholt sich und mündet in einem ruhigen, klaren Dur – unaufgeregt, entspannt, ist doch die Bitte um Erbarmen die Folge der bewussten Reue.

Im Mittelpunkt des Ars Nova-Gastspiels stand der estnische Komponist Arvo Pärt, der am 11. September seinen 75. Geburtstag feiern kann. Seine Stücke wurden eingerahmt von Werken Taverners, William Byrds und Thomas Tallis‘, womit man einen berauschenden Bogen vom frühen 16. Jahrhundert bis heute schlug.

Ars Nova und Paul Hillier, der als Mitbegründer des Hilliard Ensembles dem dänischen Chor seit 2003 vorsteht, präsentierten hier einen Chorklang von homogener Transparenz und selten zu hörender Reinheit. Die zumeist vierstimmigen Sätze, von Gruppen zu je drei Sängerinnen und Sängern intoniert, bekamen dadurch eine tonale Wucht, die den Zuhörer unmittelbar in ihren Bann schlug.

Zwei Werke Pärts sollen stellvertretend für die anderen acht stehen: In „Most Holy Mother of God“ erflehen die Vokalisten den Schutz Marias und wiederholen den Satz wie ein Mantra zart, behutsam und so den Wunsch im Wesen der Gottesmutter spiegelnd, wobei sie in der Reprise ihr Flehen in einem Cluster auslaufen lassen; und dann „The Deers Cry“, wo Ars Nova den Beistand Christi in kurzen Sätzen bezeugt, deren Blöcke in einem weit gefassten Crescendo dynamisch unglaublich intensiv immer mehr ineinander greifen.

Sie haben den Komponisten verstanden, der von seiner Musik sagt: „Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich.“ Gleiches dürfte das Publikum von RheinVokal an diesem Abend gespürt haben.

Die Konzerttermine von RheinVokal finden Sie unter www.rheinvokal.de.

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