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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Bach bearbeitet Bach

MAINZ (12. Januar 2012). Auch wenn die Herrschenden damals die Kreativität ihrer Tonsetzer durch immer neue Aufträge unterstützten, dachte auch ein Johann Sebastian Bach ökonomisch und bediente sich für weitere Kompositionen immer auch aus dem schon Geschriebenen.

Aber anstatt ein Werk nur mit anderem Text zu versehen oder Versatzstücke unverändert zu übernehmen, bearbeitete er sie, schrieb um, instrumentierte oder besetzte anders – laut Prof. Martin Lutz eine wahrscheinlich sogar anspruchsvollere Aufgabe als das Komponieren eines gänzlich neuen Stückes, wobei die Musikwissenschaft hier vom „Parodieverfahren“ spricht.

Im Konzert „Bach bearbeitet Bach“, das Studierende der Hochschule für Musik unter Lutz‘ Leitung gemeinsam mit dem Ensemble Parnassi musici Freiburg gaben, wurde eben dies thematisiert: die h-moll-Suite (BWV 1067) für Flöte, Streicher und Basso continuo in ihrer bekannten Form und eine rekonstruierte frühere Fassung ohne Flöte sowie Bachs Kantate „Halt im Gedächtnis Jesum Christ“ (BWV 67), aus der sich wiederum Partien in der A-Dur-Messe (BWV 234) finden.

Neben den Instrumentalisten wirkten vier Studierende der Hochschule mit: Jasmin Hörner (Sopran), Christian Rohrbach (Altus), Christian Rathgeber (Tenor) und Richard Logiewa (Bass) – vier ausgezeichnete Solisten, die im Quartett auch die Rolle der Choristen kraftvoll ausfüllten.

Zweimal das gleiche Werk in einem Konzert zu hören ist natürlich so anspruchsvoll wie interessant: Hatte die vermeintliche Urfassung der Suite ohne Solo-Flöte einen eher kammermusikalischen Charakter, den die sechs Instrumentalisten des Ensembles Parnassi musici Freiburg vergleichsweise gedämpft, aber stringent organisch musizierten, verlieh die Traversflöte von Susanne Kaiser dem Werk in der Reprise den bekannt barocken Glanz, versilberte es gleichsam; auch Lutz setzte hier deutlich mehr dynamische und agogische Akzente. Und doch: Auch die Streicherfassung mit Orgel hatte ihren Reiz, konnte man den einzelnen Stimmen doch anregend nachhören.

Die gleiche Transparenz war auch den Vokalisten eigen, sowohl im Tutti als auch in den Rezitativen und Arien äußerst überzeugend: Jasmin Hörners Sopran hell scheinend, der Altus Rohrbachs kernig und präsent; Christian Rathgebers Tenor-Arie „Mein Jesus ist erstanden“ gelang glaubhaft und der Wunsch „Mein Heil, erscheine doch“ wurde mit drängendem Timbre verinnerlicht. Das geschmackvolle Quartett komplettierte Richard Logiewa, dessen Bass profund und warm tönte. Berührt lauschte man der finalen Kantaten-Arie, in denen die Oberstimmen das wütende Chaos illustrieren und der Bass ein tröstendes „Friede sei mit euch!“ intoniert.

Prof. Martin Lutz ahnte den verdienten Applaus bereits in seiner knappen Einführung voraus: „Es ist schon etwas Besonderes – eine Hochschule, die solche Sänger hat.“

_Termine für die Konzerte und Vortragsabende der einzelnen Instrumental-Klassen finden sich im Internet unter http://www.musik.uni-mainz.de.

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