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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Und damit „Basta“

MAINZ (1. Dezember 2010). Dass Mainz mit seinen zahlreichen Chören und Musikensembles, der Hochschule und anderen Einrichtungen eine klingende und vor allem singende Hochburg ist, kann man vor allem zur Weihnachtszeit kaum überhören. Derzeit biegt sich der akustische Gabentisch jedoch besonders, denn hier geben sich in rascher Folge bedeutende A cappella-Ensembles ein Stelldichein.

Doch erst mal: „Basta“! Und da heißt es doch erst mal „Wiedersehen macht Freude“: Auch wenn der Saal nicht ausverkauft war, herrschte doch eine gute Stimmung bei den Fans der Gruppe, die zum südafrikanischen Sommermärchen rund ums runde Leder mit ihrem Hit „Gimme Hope Joachim“ rund sechs Millionen Mal im Internetportal youtube.de angeklickt wurden und sich über Platz 18 der Singlecharts freuen konnte.

A cappella ist derzeit ohne Zweifel in und „Basta“ nutzte die zehn Jahre seit ihrer Gründung 2000, um sich einen der vorderen Plätze unter den Formationen zu ersingen. Werner Adelmann, Thomas Aydintan, René Overmann und William Wahl, aus dessen Feder die meisten Texte stammen, stehen fest auf dem Bass-Fundament von Andreas Hardegen. Als Vorbild bekennen sie sich offen und hörbar zu den legendären „Comedian Harmonists“, freilich in einer sowohl musikalisch als auch textlich modernisierten Formation.

Ihr Rezept bewährte sich auch im Mainzer Konzert „Fünf“: ein lockerer Mix aus gutem Gesang, wohl dosierter Choreographie, Albernheit und Zeitkritik. Hier klingt die weihnachtlich angeschimmelte Assonanz „Schinkenpelz“ aus dem Kühlschrank, da hört man ein hungriges „Fleisch“, was doch nur die Betroffenheit über das Elend in der Welt aufs Korn nimmt, die dann endet, wenn das tote Tier gut durch auf dem heimischen Teller liegt. Da gibt Werner Adelmann Tipps im erfolglosen Flirten und René Overmann intoniert leicht angesäuselt Dean Martins Version von „Like a virgin“, wobei ihm seine singenden Kombattanten swingend sekundieren.

Ihr Song „Choco Latte Chai“ mutet nur am Anfang wie kalter Kaffee an, da er die mittlerweile schalen Gags über die große Auswahl in Koffein-Ketten pflegt, nimmt aber plötzlich eine unerwartete Wende und biegt schnurstracks in die Weinberge dieser Welt ab. Das ist eben auch ein Markenzeichen von „Basta“: das Unerwartete, das einen wie ein jähes Crescendo überrascht. Und wenn es nur darum geht, dass die weinende Freundin aufs Laminat tropft…

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