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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Tierisch musikalisch

MAINZ – Als hätten Sie geahnt, mit ihrer Kunst vor allem das jüngere Publikum einmal etwas schwerer erreichen zu können, haben viele der großen Komponisten Stücke geschrieben, die besonders kleinere Zuhörer ansprechen konnten. Und können: Derart zielgruppenorientierte Musik präsentierte Villa Musica jetzt zusammen mit dem Kabarettisten Konrad Beikircher im Frankfurter Hof.

„Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns und „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjev standen auf dem Programm des Konzerts – nicht nur – für junge Zuhörer, das Estzer Haffner (Violine) und Ognijen Popovic (Klarinette) sowie Stipendiatinnen und Stipendiaten von Villa Musica vor einem begeisterten Publikum musizierten.

Die Geschichte, in der Peter mit seinem Vogel den Wolf fängt, obwohl der Großvater vor allzu viel Übermut warnt, ist bekannt und so konnte Beikircher diese rheinisch ausschmücken und mit vielen eigenen Ideen aufwarten. Charmant und alles andere als textgebunden erzählte der Wahl-Bonner die von den Musikern in gewohnter Präzision und mit viel Freude am eigenen Spiel untermalte Geschichte.

Bei ihm spricht der Opa breitesten rheinischen Dialekt („Hat de Jong widder dat Dörsche zum Jachten nit zujemaat…“), der Vogel macht Stimmübungen und die Katze dichtet auf der Jagd nach dem Geflügel: „Dieser Vogel – ich werd’ noch jeck: Bin ich da, isser weg“. Peter schaut dem Einfall des Wolfes „megacool“ vom Garten aus zu und lässt seinen gefiederten Freund den Wolf foppen: „Je schwirrer der Vogel, desto schnapper der Wolf.“ Und Beikircher deckt auf, warum die Jäger herumballern, wo der Wolf doch schließlich in den Zoo abgeführt wird: „Die wollten sich damit Mut machen.“

Nach diesem musikalischen Märchen ging es ebenso animalisch weiter, dachte man erst einmal: Die große zoologische Fantasie des „Karnevals der Tiere“ gewinnt ihren Witz in ihren 14 Sätzen einerseits durch die Verfremdung von Vorlagen aus der Musikwelt von Rameau über Rossini bis Strauß und Offenbach. Genauso wichtig sind aber auch die musikalischen Tierlaute vom eseligen „I-A!“ der Geigen über den klarinettistischen Kuckucksruf bis zu den flatternden Vögeln, die Saint-Saëns großzügig in seine Musik einstreute.

Auch hier trat Beikircher als Sprecher auf. Allerdings deutete er die vom Komponisten mit musikalischer Klangfarbe gepinselten Tiere wiederum als Menschen, die auch den Kindern geläufig sein dürften. Der Löwe? „Ist wichtig und meist Direktor, General oder Hausmeister in der Schule.“ Die Kängurus? „Hektische Mütter.“ Dagegen die Fische: „Ruhige Väter.“ Und die Fossilien? „Leute, die sagen, früher sei alles besser gewesen.“ Zum Schwan schweigt er: „So schöne Musik bedarf keiner Worte.“ Derart augenzwinkernd vorgeführt hatten die Erwachsenen ebenso großen Spaß wie die Kinder.

Mit diesem Konzert stellte die rheinland-pfälzische Landesstiftung Villa Musica einmal mehr ihr Engagement, auch jüngere Menschen für die (klassische) Musik zu begeistern, unter Beweis.

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