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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Dem Klang der Liebe durch fünf Jahrhunderte gelauscht

BAD NEUENAHR – Die Liebe hat unzählige Komponisten inspiriert und auch das Calmus Ensemble Leipzig konnte sich diesem Sujet nicht entziehen: „The Sound of Love“ heißt das aktuelle Programm, das diese exquisite A cappella-Formation jetzt im Rahmen von RheinVokal vorstellte.

Zugegebenermaßen ist der Saal im Kurhaus zu Bad Neuenahr, obgleich schön anzusehen, für den A cappella-Gesang vielleicht nicht die allererste Wahl und die Tontechniker werden für die Sendung des Konzertmitschnitts – am 28. Oktober 2008 von 13.05 bis 14.28 Uhr im Rahmen der RheinVokal-Radiowoche – das Aufgenommene wahrscheinlich noch ein bisschen aufbereiten müssen.

Doch auch ohne ein durch den nötigen Hall abgerundetes Klangbild empfahl sich das Calmus Ensemble mit seinen fünf herausragenden Einzelstimmen dennoch als ansprechend homogen und mit Blick auf das weitgespannte Programm von Carlo Gesualdo (1561-1613) bis hin zu Pop-Größen wie Seal oder Phil Collins äußerst vielseitig.

Die einstigen Leipziger Thomanerchor-Sänger Sebastian Krause (Altus), Tobias Pöche (Tenor), Ludwig Böhme (Bariton) und Joe Roesler (Bass) werden dabei ergänzt von Anja Lipfert, deren leichte, doch kräftige und stets präsente Sopranstimme das Quartett hörbar gefällig bereichert. Dass hier „gutes Material im Einsatz“ ist, ist an vielen Stellen deutlich hörbar, wenn sich beispielsweise in den „Trois Chansons de Charles d’Orléans“ von Claude Debussy (1862-1918) ein Akkord nacheinander aufbaut und alle Solisten sich perfekt zum Ganzen mischen.

Debussy bildete die Mitte des ersten Konzertteils, der mit Vertonungen von Gesualdo, Edward Elgar (1857-1934) und Dan Dediu (*1967) dem klassischen Vokalgesang gewidmet war. Wenn es vielleicht auch etwas gewagt erschien, das Konzert ausgerechnet mit den anspruchsvollen Madrigalen „Moro, lasso, al mio duolo“ und „Gia piansi nel dolore“ Gesualdos zu beginnen, erwies sich der dramatische Aufbau mit dem von Dediu für das Calmus Ensemble komponierten „Perla“ doch als geschickt, steht die in diesem Stück aufgezählte Fülle der Komponisten-Namen auch für die Vielseitigkeit der Künstler.

Deren Darstellung potenzierte sich schließlich im unterhaltsamen zweiten Konzertteil, denn bevor man sich unter anderem mit „Got to get you into my life“ von John Lennon und Paul McCartney oder dem Queen-Hit „Crazy little thing called love“ dem Thema Liebe auf leichte(re)n Füßen näherte, bescherte das Calmus Ensemble seinem Publikum mit dem Singspiel „Mozärtliches“ von Fredo Jung (*1949) einen wirklichen Höhepunkt.

Hier kommen vor allem die Kenner der Mozart-Arien auf ihre Kosten, denn in dieser besonderen „Oper“, die das Märchen von Schneewittchen zum Inhalt hat und mit mannigfaltigen Zitaten aufwartet, kommt natürlich nicht nur die „Zauberflöte“ zum Einsatz. Leicht kostümiert mit Diadem, Jägerkäppi oder Zipfelmütze folgte das Calmus Ensemble dem Libretto von Angelika Eichhorn. Auch dieses Werk entstand eigens für die Leipziger Vokalisten, die hiermit ihr Talent für die klangfarbige Humoreske zeigten.

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