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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Von Bach bis Piazzolla

MAINZ (30. Juli 2016). Wer sich bei den Berliner Philharmonikern als Hornist bewerben möchte, muss natürlich exzellent spielen können. Doch das reicht nicht: Er muss auch ein bestimmtes Instrument besitzen. Und das kommt aus Mainz, genauer gesagt aus Deutschlands ältester Metallblasinstrumente-Manufaktur Gebr. Alexander mit Sitz im Hechtsheimer Gewerbegebiet. Ohne ein solches Horn hat der Proband keine Chance: ein Alexander-Horn ist Pflicht.

Und Kür gleichermaßen, denn wer ein solches Instrument spielt, kann sicher sein, auf einem der besten zu musizieren. Sein Klang wird in der ganzen Welt geschätzt. Und aus aller Herren Länder kommen Musiker nach Mainz, um sich vor Ort ihre Hörner sozusagen auf den Leib schneidern zu lassen, denn es handelt sich stets um Einzelanfertigungen, einen klingenden „Maßanzug aus Metall“ sozusagen.

Auch die zwölf Bläser des 2015 gegründeten China Horn Ensembles spielen auf Alexander-Hörnern. Mit denen traten sie jetzt im Peter-Cornelius-Konservatorium auf, wozu sie die Firma Alexander, die im Parterre der Bildungsstätte ihr Pianohaus betreibt, eingeladen hatte. Das Publikum erlebte Solisten namhafter chinesischer Sinfonieorchester (zwei Hornisten musizieren sogar in den deutschen Klangkörpern in Koblenz und Ludwigshafen) sowie Dozenten und Professoren ihres Fachs – schließlich erfreut sich das Horn in Fernost großer Beliebtheit.

Das China Horn Ensemble hat sich gleichzeitig auf die Fahnen geschrieben, diese Popularität weiter zu entwickeln. Dabei unterstützte sie auch das sechstägige „Gebr. Alexander Horn Camp 2016“ in Worms, dessen Höhepunkt das Konzert im PCK war. Hierfür hatten chinesische Studenten dieses Instruments die Landeshauptstadt sowie die Manufaktur besucht und vor allem in Meisterklassen ihr Hornspiel vertieft. Das Konzert war gleichzeitig Auftakt einer Deutschland-Tournee des China Horn Ensembles.

Das Programm des Abends bestand aus Bearbeitungen bekannter Stücke aus Klassik und Jazz, darunter die kraftvoll geschmetterte Jagdfanfare aus Richard Strauss‘ Alpensinfonie, Ludwig van Beethovens Egmont-Ouvertüre in einem Arrangement, das ein ganzes Orchester spiegelte, und natürlich Klassiker für Blechbläser wie Johann Sebastian Bachs berühmte Air oder der Choral „Jesu bleibet meine Freude“. Besonders beeindruckten die Bläser mit einem flächigen Tutti in Claude Debussys „La Cathédrale engloutie“ und mit dem swingenden „Darn that dream“ von Jimmy van Heusen.

Es ist schon ein ganz eigener Klang, dieser spezielle Alexander-Ton, den die Bläser hier intonieren: Warm und rund, volltönend in der tiefen Lage und aufblühend-strahlend in der höheren – wenn sich dies nun im Ensemble potenziert, wird ein Hörerlebnis daraus, das man tatsächlich nicht alle Tage geboten bekommt. Und man lernt ein Instrument kennen, das man sonst eher aus den hinteren Orchesterreihen hört. Hier jedoch zeigten die Künstler seine sportive Wandlungsfähigkeit, die trotzdem einen eleganten Schmelz behält. Das China Horn Ensemble verabschiedete sich schließlich mit der Zusage: „Wir kommen wieder.“

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