Start

Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

Service

» Musik

Naturlaute im Schlossgemäuer

NEUSTADT – Das aktuelle Saisonmotto „Wie ein Naturlaut“ zieht sich aktuell als imaginärer, wohlig klingender Akkord durch die Konzerte von Villa Musica. Mit „Con Corno“ weihten Frank Lloyd (Horn), Nicolas Chumachenco (Violine) und Kalle Randalu (Klavier) jetzt den Saal von Schloss Hambach als neue Spielstätte der Landesstiftung ein. Und auch hier, in den Sonaten von Beethoven, Janacek und Brahms wurden die Naturlaute deutlich hörbar.

Ein „mattes Strahlen“ ist keinesfalls ein Oxymoron: Mit vollem Ton, der sich einem wie ein warmer Wollschal um die Schultern legte, empfing der Hornist Frank Llloyd seine Zuhörer in der F-Dur-Sonate für Horn und Klavier op. 17 von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Markante Akkordbrechungen des Blechs, denen das Klavier im Allegro moderato behände hinterher stapft, ein sachte schreitendes Poco Adagio und das trippelnde Rondo, in dem sich Horn und Klavier umspielen, ja umspülen – das Horn scheint wie kaum ein anderes Instrument dazu geeignet, dem Naturlaut akustische Gestalt zu geben. Besonders in einer so grandiosen Akustik wie sie im Konzertsaal des restaurierten Hambacher Schlosses herrscht!

Wie schon bei Beethoven – und zum Schluss bei Brahms – erwies sich Kalle Randalu auch in der Sonate für Violine und Klavier von Leos Janacek (1854-1928) einmal mehr als Pianist mit expressivem Einfühlungsvermögen, der sich mit seinen jeweiligen musikalischen Partnern blind zu verstehen scheint. Im ersten Satz „Con moto“ fanden die Praller des Tasteninstruments eine flatternde Fortführung im feinen Pizzicato der Violine und in der an eine Nocturne erinnernde Ballada des zweiten Satzes legte sich das Saitenspiel zart auf die Arabesquen des Flügels, die die Konturen sanft verwischten. Die Schroffheit des ersten Satzes fand sich alsbald wieder im knackigen Allegretto, in der die beiden Musiker wie Kombattanten eines Duells miteinander fochten um im finalen Adagio zur Ruhe der Ballada zurückzufinden.

Den Abschluss bildete das vielleicht bekannteste Werk des Abends: Johannes Brahms‘ (1833-1897) Trio für Violine, Waldhorn und Klavier in Es-Dur op. 40. Bemerkenswert gebremst im Tempo begann das Andante, wodurch die melancholische Stimmung dieses von tiefem Naturgefühl durchzogenes Werk besonders eindrücklich zum Ausdruck kam. Im Scherzo des zweiten Satzes zogen die Musiker gleichsam die Zügel an und preschten munter mit fanfarenartigem Klang einher. Auch wenn man die schwermütigen Passagen des Es-Dur-Trios oft mit der Trauer des Komponisten über den Tod seiner Mutter in Verbindung gebracht hat, so tragen besonders das Adagio mesto und das Allegro von brio des Finales den Impetus des Aufbruchs und der Hoffnung in sich, was Frank Lloyd, Nicolas Chumachenco und Kalle Randalu betörend hörbar zu machen verstanden.

zurück